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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1929-01-01 · 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929 · p. Seite 47

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
Date
1929-01-01
Page
Seite 47 (sequence 185)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
…/3476254-3476286--7197-3483345
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Ruppin 47 ständigen und Arbeitern bringt es mit sich, dass sich die Ideale der Arbeiterklasse in Palästina viel stärker geltend machen als im jüdischen Leben in Osteuropa oder in Mittel- und Westeuropa. Wo es in der Welt jüdische Arbeiter in geschlossenen Massen gibt, in der polnischen Textilindustrie, in der Diamantindustrie in Amsterdam und Antwerpen, in der Bekleidungsindustrie in New-York, sehen wir überall ein starkes Streben der Arbeiter nach Organisation. Es ist ein Charakteristikum des jüdischen Arbeiters — und damit zeigt er sich als wahrer Sohn des jüdischen Volkes — dass er nicht ein stummes Anhängsel an einen grossen Betrieb bleiben, sondern an der Entwicklung des Betriebes schöpferisch mitarbeiten will, dass er sich nicht für alle Zeit mit einem niedrigen Lebensstandard begnügt, sondern auf Verbesserung dieses Standards tendiert. Er will auch als Arbeiter ein geistiger Mensch bleiben und an den Kulturgütern seinen Teil haben. Er mag infolgedessen für den Arbeitgeber nicht immer bequem sein, aber wenn wir überhaupt einen jüdischen Arbeiterstand haben wollen — und das ist das sine qua non für eine rasche Vermehrung unserer Zahl in Palästina —, so werden wir dieser Eigenart Rechnung tragen müssen. Das wird um so eher möglich sein, als der jüdische Arbeiter zwei wertvolle Eigenschaften nach Palästina mitbringt, seine nationale Zuverlässigkeit, seine Intelligenz. Beide weisen ihn darauf hin, seine Forderungen nicht zu überspannen, weil Palästina in einer kapitalistischen Welt auf das Einströmen von Privatkapital nicht verzichten kann. Der wirtschaftliche Friede in Palästina hat zur Voraussetzung, dass Verständnis für die Eigenart des jüdischen Arbeiters sich mit Verständnis für wirtschaftliche Möglichkeiten im Rahmen der Weltwirtschaft paart. Wir müssen in Palästina zu Kollektivverträgen zwischen Arbeitgebern und Arbeitern kommen, welche das Arbeitsverhältnis regeln und eine friedliche Beilegung aller Streitigkeiten vorsehen. Ich hoffe, wir sind nach jahrelangen Verhandlungen jetzt diesem Ziele nahe und werden dadurch den Weg für neue industrielle Unternehmungen in Palästina ebnen. Obwohl wir den sozialen Frieden in erster Linie im Interesse eines ungestörten Aufbaues Palästina erstreben, kann dieses Streben darüber hinaus noch weite Kreise ziehen. Die europäischen Formen der kapitalistischen Wirtschaft sind bedingt durch eine lange geschichtliche Entwicklung. Wir haben in Palästina den Vorteil, dass wir keine solchen festen Formen vorfinden. Wir brauchen nicht Bestehendes zu zerstören, sondern können unsere Wirtschaft von unten auf sozusagen auf den nackten Felsen bauen. Wir haben schon heute in Palästina Anfänge einer verheissungsvollen Entwicklung zu neuen sozialen Formen. Grosse Teile unserer Bodenerwerbungen sind in den Besitz des Jüdischen Nationalfonds übergegangen, der sie als Eigentum des jüdischen Volkes verwaltet und der privaten Spekulation entzieht. Palästina ist das einzige Land, in dem ohne staatliches Eingreifen die jüdischen industriellen Betriebe den achtstündigen Arbeitstag eingeführt und Kinderarbeit ausgeschlossen haben. Die Zahl

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