Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 184)
- Language
- German, English, Hebrew
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46 2. KONGRESS-SITZUNG: Referat über die Bedeutung Palästinas Palästina keinen anderen Schutz gebe, als dass die Juden selbst die Mehrheit erlangen. Aber wir haben auch eine feierliche Verpflichtung des Völkerbundes, dass Palästina so verwaltet werden soll, dass die Errichtung eines jüdischen nationalen Heimes erleichtert wird. Es wäre ein Bruch dieses Versprechens, wenn wir einer Majorisierung durch die Araber ausgeliefert würden. Ich sehe im Völkerbunde Schutz und Schild für die Fortführung unserer Tätigkeit. Wir müssen soviel wie möglich Juden nach Palästina bringen, weil mit dem Wachsen der Zahl unsere wirtschaftliche und kulturelle Stosskraft sich potenziert. Wohl uns, wenn unsere Zahl so gross wird, dass sie die Zahl der Araber übertrifft — aber politisch soll die Rechtstellung von Juden und Arabern in Palästina jetzt wie später unabhängig davon sein, wer von ihnen zahlenmässig stärker ist. Wir wollen uns freihalten von dem Irrtum, der ein Jahrhundert hindurch Europa beherrschte und zu der Katastrophe des Weltkrieges führte, dass in einem Staate nur eine Nationalität herrschen kann. Unter der Aegide des Völkerbundes soll Palästina ein Staatswesen werden, in dem Juden und Araber als zwei gleichberechtigte Nationalitäten nebeneinander leben. Keine soll herrschen, keine soll dienen. Dem Rechte der Araber, in Palästina zu bleiben, steht gleichwertig das Recht der Juden gegenüber, nach Palästina zu kommen. Auf dieses Recht können und werden wir nicht verzichten, weil davon das Schicksal eines 16 Millionen-Volkes abhängt, das unter den kulturschöpferischen Völkern der Menschheit sicher nicht an letzter Stelle steht und in der Zukunft der Menschheit noch vieles zu geben berufen ist. Aber wir wollen, indem wir uns unseres eigenen Wertes für die Kultur der Menschheit bewusst sind, damit die Kulturleistungen anderer Völker in keiner Weise verkleinern. Unser Nationalismus ist nicht ein überheblicher chauvinistischer Nationalismus, der das eigene Volk über die andern Völker setzt, sondern ein geläuterter Nationalismus, der den andern Völkern das gleiche Recht auf Betätigung ihrer Eigenart zugesteht, das er für das eigene Volk fordert. Wir wollen den Chauvinismus, den wir bei andern Völkern hassen, auch bei uns selbst bekämpfen. Der Aufbau Das Gelingen unseres Werkes in Palästina hängt zu einem grossen Teile davon ab, ob es uns gelingt, alle Schichten der Juden zu einer friedlichen Zusammenarbeit in Palästina zu bringen. Alle Kräfte, die wir in Streitigkeiten unter uns selbst verbrauchen, gehen für schöpferische Tätigkeit verloren. In Europa sind die Juden zum grössten Teil Selbständige, nämlich Kaufleute, Vermittler, Handwerker, Besitzer industrieller Betriebe. Jüdische Arbeiter machen nur einen kleinen Prozentsatz aus. In Palästina, wo die Juden der Mehrzahl nach Produzenten in Landwirtschaft und Industrie sein müssen, wird der Prozentsatz der Arbeiter ein viel höherer sein. Schon diese Verschiedenheit des Zahlenverhältnisses zwischen Selb-