Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 156)
- Language
- German, English, Hebrew
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18 1. KONGRESS-SITZUNG: Gedenkrede für Theodor Herzl Philosophien. Wenn auch nicht als jüdischer Gelehrter, so verstand er doch auf Grund seiner bewundernswerten Intuition, dass hier ein fundamentaler Unterschied vorliegt. Der Zionismus ist einzigartig und steht allein in seiner ständigen Erklärung, dass das Judentum nicht ein blosser Glaube sei, sondern zu gleicher Zeit das auf Geschichte und Zukunftsbewusstsein gerichtete Leben einer Nation. Deshalb haben die Zionisten endgültig erklärt, dass sie sich selbst nicht Israeliten nennen könnten, ausser wenn Israels Lehren die volle nationale selbsterhaltende Existenz bejahen, im Sinne der von allen Propheten verkündeten Wahrheit, die ein neues erdverbundenes Leben Israels in Erez Israel verkündeten und vorhersagten. Kurz gesagt, die Zionisten sehen, dass wirklich jüdisches Leben seine Mission nicht erfüllen würde, wenn es nicht dieses durch die Propheten so entschieden betonte Erfordernis erfüllen würde. Alle die Herzl genauer kennen, werden sich erinnern, dass von dem Tage an, da er in die zionistische Bewegung eintrat, er begann, immer von neuem die Bibel zu lesen. Das Wort des Psalmisten, „wenn ich Dein vergesse, Jerusalem", war sein Lieblingszitat. Sein Feuilleton „Mauschel" ist eine wundervolle Satire gegen die Assimilation und verteidigt wahres natürliches Judentum. Ein reicher und voller Idealismus gibt dieser Satire den Wert einer biblischen Mahnpredigt. Ich erinnere mich, wie entzückt er war, als ihm der alte Professor Schapiro auf dem I. Kongress auseinandersetzte, in welchem Umfang der Zionismus die primitive biblische Weissagung bestätigt und primitive biblische Praxis wieder aufnimmt. Der Zionismus gründet seine Worte und Werke auf biblische Lehren: „Mein ist die ganze Erde" bedeutet, dass das Land dem Volke gehören soll. Herzls Augen strahlten entzückt. „Ja, Sie haben recht, Herr Professor", sagte er und schüttelte ihm herzlich die Hand. Herzls Ueberzeugung, dass die Bibel das grösste Schatzhaus der Welt an geistiger und praktischer Lehre ist und dass die biblischen Versprechungen Hilfe für den Bedürftigen, Trost für den Trauernden, Zuversicht für den Aengstlichen, Vergebung für den Sünder und Hoffnung für Israels Auferstehung enthalten: diese Ueberzeugung verursachte seine Empörung und Erregung über die bekannte Erklärung der Protestrabbiner. Die „Eroberung der Gemeinde" (in Herzls Eröffnungsrede auf dem II. Kongress, Basel 1898) war eine Antwort an diese Rabbiner. Er wollte, dass »das Volk seine Meinung äussere, und hielt den Wahlzettel für das beste Mittel dazu. Zur Zeit des II. Kongresses existierten 913 zionistische Vereinigungen und alle Delegierten des Kongresses waren gewählt. Herzl wusste, dass