Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 151)
- Language
- German, English, Hebrew
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Sokolow 13 verstanden nicht, dass der Zionismus eine Lebenskraft ist, die mit legalen Methoden für alles Gute im Judentum arbeitet und dass das Judentum die volle Möglichkeit haben wird, für die Weltzivilisation in jeder Weise seinen Beitrag zu leisten. Dem Münchner „Consilium abeundi" folgten andere Erklärungen desselben Charakters. Herzl rang mit diesen Schwierigkeiten, und wie Jakob wurde er zu Israel. Er wurde immer stärker während dieses Kampfes. Dieses Teiles seiner Aufgabe entledigte er sich mit äusserstem Geschick und stolzer Kühnheit. War er in seinem Privatleben höflich und liebenswürdig, so vereinigte er in der Oeffentlichkeit eine suavis indignatio mit einer konstruktiven Geschicklichkeit höherer Ordnung. Als Diplomat hatte er nicht seinesgleichen. Er hielt peinlich Wort. Er stand auf unerreichter Höhe. Er hob das jüdische Leben auf sein eigenes stolzes Niveau. Herzl auf dem I. Kongress. Am Abend des 29. August 1897 machte Herzl mir und einigen Freunden, die mit ihm auf dem Balkon des Hotels „Trois Rois" in Basel sassen, den Rhein zu unseren Füssen, eine bemerkenswerte Erklärung. Die bulgarischen Juden, so sagte er, hätten lange geglaubt, der Messias werde am 1. Elul geboren werden. Sie hätten recht gehabt, fuhr er fort, heute, auf dem Zionistenkongress, sei der Messias geboren worden. Und er fuhr fort: Dieser Messias wird heranwachsen! Herzl war frei von Aberglauben. Aber er hatte ein starkes religiöses Fühlen. Er glaubte nicht nur fest an das, was er sagte, sondern er sah es auch mit seinen eigenen Augen. Seine geschickte Führung hatte zu vereinigen verstanden, was bis dahin zu vereinigen unmöglich schien: das jüdische Volk. Dabei hatte er keine besondere Politik erfunden. Seine Absicht war, dieses Volk in Marsch zu setzen und es im Marsch zu halten, geführt durch seinen Genius zum richtigen Ziel. Er wusste wohl, dass es sich hier um eine Pflanze von langsamem und schwerem Wachstum handelte. Aber er wusste auch, dass dieses langsame und schwere Wachstum die gute Folge haben werde, festeren und stärkeren und sichereren Wuchs hervorzubringen. Er war überzeugt davon, dass das Sehnen des jüdischen Volkes nicht aus Mangel an Energie oder aus Mangel an Hingabe unerfüllt bleiben werde. War das nicht messianistisch? Was war der I. Zionistenkongress und die ganze erste Periode des Zionismus? Das Ganze war konzipiert als eine Vision, heroisch in ihrem Ausmass und strahlend in ihrer Bedeutung.