Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 302 (sequence 344)
- Language
- German, English, Hebrew
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9. Sitzung: Keren Hajessod-Debatte Wir kennen die Gründe. Zunächst sind das ökonomische Faktoren, die wir nicht geschaffen und auf die wir keinen Einfluß haben. Wohl aber sind wir daran schuld, daß durch die Küekwanderung von Immigranten falsche Gerüchte über Palästina in Polen verbreiten werden. Ueberdies hat sich ein gewissenloser Journalismus nicht gescheut, die Krise in den Dienst der Sensationslust einer urteilslosen Masse zu stellen. Ein weiterer Grund ist, daß unser Kampf nach innen anstatt nach außen gerichtet ist. Weite Teile des jüdischen Volkes sind noch zu gewinnen. Ich habe vor allem die Agudah im Auge, die wir in unsere Aufbaubewegung hineinziehen müssen. Dies sollte natürlicherweise Aufgabe des Misrachi sein. Leider aber glaubt der Misrachi seine Parteiposition dadurch zu stärken, daß er, wie wir es eben gehört haben, einen demagogischen Kampf gegen die Linke führt. Aber die Schläge, welche der Misrachi der Linken zugedacht hat, fallen nicht nur auf die Arbeiterschaft, sondern auch auf den Misrachi und auf die ganze zionistische Bewegung zurück. Eine religiöse Partei sollte doch wirklich der Religiosität der Axfoeit und der Aufopferung für die Aufbauideale mehr Achtung entgegenbringen. Mit solchen Kampfmethoden werden wir das Zutrauen des jüdischen Volkes nicht gewinnen. Der ganze Zionismus wird dadurch bloß geschädigt. Mit tiefstem Schmerze muß ich als weiteren Grund konstatieren, daß man Nichtzionisten viel leichter zur Beitragsleistung für den Keren Hajessod bewegen kann als die Zionisten, einschließlich der Führenden und Verantwortlichen in unserer Bewegung. Der Kongreß muß endlich radikale Maßnahmen ergreifen, um diesem Zustande, der das Vertrauen der Massen erschüttert, so rasch als möglich ein Ende zu bereiten. Die Kraft, die auf das Volk wirkt, sind Taten, konkrete Tatsachen in Palästina. Wenn unsere landwirtschaftlichen Positionen in Palästina stagnieren, wenn alles steht und stockt, ist es schwer, die Massen zu gewinnen. Es ist ein Zauberkreis: wenn keine neuen Fakten entstehen, fließt auch kein neues Geld für den Keren Hajessod ein, und wenn wenig Geld für den Keren Hajessod vorhanden ist, können nicht neue Kolonien geschaffen werden. Wir müssen aus diesem Zirkel herauskommen, indem wir neue Positionen, wenn auch in geringem Umfange begründen, besonders auf landwirtschaftlichem Gebiete. Mit der teilweise zu realisierenden Losung der „Hitjaschwuth Haelef" (Kolonisation von tausend Familien) haben wir große Aufmunterung in den jüdischen Massen hervorgerufen. Eine starke Verbindung mit Palästina ist für die Arbeit des Keren Hajessod in der Diaspora unerläßlich. Diese stellen 302