Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 189 (sequence 231)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476284--6674-3482821- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Goldberg, Kisch hat. Ich möchte bei dieser Gelegenheit sagen, daß für die Situation, in der wir uns befinden, das Wort „Krise" eigentlich für die Lage, die wir jetzt durchmachen, nicht recht anwendbar ist. Eine Krise stellt einen Tiefpunkt wirtschaftlicher Depression dar. Gewöhnlich ist eine Krise durch Ueberproduktion hervorgerufen. Das Wort wird aber auch für eine Lage angewandt, die aus einer politischen oder finanziellen Panik entsteht, manchmal auch auf schädliche Naturereignisse wie Regenmangel in einem Agrikulturland. Das alles kann Krisen herbeiführen. Wir leiden aber nicht an Ueberproduktion, sondern an Unterproduktion, und die Lage, die man so häufig mit dem Worte „Krise in Palästina44 bezeichnet, besteht in Wirklichkeit darin, daß einige tausend Menschen (nicht nur Arbeiter, sondern auch Handwerker und im Handel tätige Männer und Frauen) keine Möglichkeit produktiver Beschäftigung gefunden haben. Das ist die Lage, die man „Krisis44 nennt, und diese Lage haben wir zu beseitigen. Der Vertrag mit Syrien. Damit komme ich zu dem ersten Punkt, in dem der Kongreß die Arbeit der Exekutive und der Regierung lebhaft kritisiert hat. Ich stehe nicht hier, um die Regierung zu verteidigen. Ich verbringe einen großen Teil meiner Zeit damit, mit der Regierung zu streiten. Trotzdem aber möchte ich dringend wünschen, daß das, was die Regierung mit Bezug auf diese oder andere Fragen getan oder nicht getan hat, richtig eingeschätzt werde. Es ist keine Entdeckung und kein Monopol der Oppositionsgruppen, nicht einmal der Gruppe „Eth Liwnoth", daß wir durch die Förderung industrieller Entwicklung die Absorption der Arbeitslosen fördern können. Es war das von der Exekutive während der letzten fünf Jahre andauernd verfolgte System, mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln und durch ständigen Druck auf die Behörden die industrielle Tätigkeit zu intensivieren. Allerdings ist uns nicht alles gelungen, und in bezug auf 189