Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 183 (sequence 225)
- Language
- German, English, Hebrew
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Färbstein zulesen wäre, daß er die sichere Erwartung hegt, daß auch die nötigen Mittel von Amerika zu erwarten sind! Aber auch damit ist, wie aus der Preßpoiemik deutlich hervorgeht, nicht ganz zu rechnen. Ich will nicht, daß die Schlüssel von Erez Israel in fremde Hände gegeben werden. Ich erinnere mich in der jüdischen Geschichte nicht einer ähnlichen Tatsache. Doch! Wir finden im Talmud eine Stelle! Als der Tempel zerstört wurde, bildeten sich Gruppen junger Priester, die die Schlüssel zum Tempel hatten. Sie stiegen auf das Dach des Tempels und sprachen: „Gott, da wir keine zuverlässigen Schatzbewahr er waren, geben wir Dir die Schlüssel zurück." Dann sprangen sie in den brennenden Tempel. Die Priester haben die Schlüssel weggegeben, aber an Gott. Dennoch begriffen sie, daß sie zum jüdischen Volke nicht mehr zurückkehren könnten. Es wurde uns gesagt: es ist eine große Katastrophe vorhanden, wir können nicht länger warten. Ich frage: Trifft denn unsere Exekutive kein Verschulden an dieser Katastrophe? Erstaunlich ist, wie die Exekutive und die gegnerischen Gruppen, die Radikalen, sich in bezug auf die Geringschätzung des Mittelstandes zusammenfinden. Wir unterschätzen gewiß nicht die große Bedeutung der Chaluzim, und wir sind überzeugt, daß ohne sie ein Aufbau Erez Israels nicht möglich wäre. Ich glaube aber, daß die Chaluzim andererseits ohne den Mittelstand Erez Israel nicht aufbauen werden. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Man sagt uns, wir seien keine Idealisten. Sind aber Menschen, die eine gesicherte Existenz von sich werfen, die ihre Familie im Stiche lassen und nach Erez Israel fahren, keine Idealisten'? Sie kommen nach Palästina und finden niemanden, bei dem sie sich auch nur Eat holen könnten, und müssen nach dem Verlust ihres Vermögens wieder in das Galuth zurückkehren. Wer die schrecklichen Szenen miterlebt hat, die sich abspielten, so oft diese Leute Palästina verlassen mußten, wer diese Szenen gesehen hat, wie diese Juden, der Mittelstand, die Nalewki und Dzika genannt werden, vor ihrer Eückkehr ins Galuth am Grabe der Mutter Rahel Stunden lang weinend gelegen haben, wer sie am Kotel Maarawi gesehen hat, wo sie vor ihrer Abreise jeder einen Nagel in die Wand geschlagen und geschworen haben, wieder nach Erez Israel zurückzukehren, der wird diesen Menschen Idealismus nicht absprechen können. Man muß das jüdische Volk nehmen, wie es ist, man kann es nicht in der Eetorte zu einem anderen umgestalten. Wer aber glaubt, daß man doch die Juden, die zu 80 Prozent aus Kaufleuten, Handwerkern und Industriellen bestehen, in ein anderes Volk umkochen kann, der erinnert mich an die Töchter von Pelias, die 183