Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 181 (sequence 223)
- Language
- German, English, Hebrew
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Fischer, Farbstein nämlich, daß der Wert unserer Verhandlungen mit der Mandatarmacht proportional unseren Leistungen im Lande ist. Dr. Weizmann hetont trotz der Krise seinen Standpunkt. Dagegen muß ich den schärfsten Protest erheben. Wenn schlechte politische Bedingungen uns am Vorwärtskommen hindern, dürfen unsere Mißerfolge nicht der Wertmesser unserer Verhandlungen sein, und selbst bei besseren Bedingungen sind wir bloß Menschen und haben das Eecht, Fehler zu machen, und daraus resultiert für die Mandatarmacht nicht die Berechtigung, uns bei unserer Aufgabe in Palästina nicht zu unterstützen. Als wir dieser Tage in dem andern Saal zur Gedenkfeier versammelt waren, da kamen mir, wie uns allen, alte Erinnerungen. Wo waren sie, die uns so lieb gewordenen, entschwundenen Gestalten? Wir fühlten ihre Nähe. Wir fühlten auch in dieser Stunde, wie sehr wir zusammen gehörten. Da gab es keine Linke und keine Kechte, keine Parteien. Von einem Gedanken getragen, wurden wir ein Körper. Wenn wir auch zuweilen getrennt marschieren, stets aber vereint schlagen, dann sind wir des schließlichen Sieges sicher. Im Worte „vereint" liegt die Lösung unserer ganzen Frage. (Lebhafter Beifall.) H. Farbstein (A. C, Misrachi — jüdisch): Hoher Kongreß! Wenn ich jetzt das Wort ergreife, so geschieht es im vollen Bewußtsein der Verantwortung, die auf uns lastet nach dem großen Siege, den uns die Wahl gebracht hat. Der Einheitsschekel, der bestimmt war, die Schwäche des Misrachi zu offenbaren, hat im Gegenteil bewiesen, daß das orthodoxe Judentum keine Schwäche, keine Krise kennt, sondern die tiefsten Gefühle, die Gefühle von Erez Israel, seine Seele beherrschen. Ich muß zunächst einige Worte auf die Ausführungen eines der Vorredner, Dr. Arlosoroffs, erwidern. Herr Dr. Arlosoroff suchte den passenden Ausdruck, um die Orthodoxie am tiefsten zu treffen, und hat endlich den Ausdruck „Priestertum" gefunden. Wenn Dr. Arlosoroff den Ausdruck „Priestertum" im idealen Sinne versteht wie wir, nämlich „kohanecha jilbeschu zedek", sind wir glücklich und stolz darauf, die „mamlecheth kohanim" zu sein. Wenn er aber darunter „chose wsehok" versteht, müßte er seine giftigen Pfeile in einer anderen Eichtung senden. Er hat einen sehr kämpferischen Ton angenommen und die Probleme des Misrachi als Fiktionen bezeichnet. Nun, für diese Fiktionen ist das Judentum durch tausende von Jahren auf die Scheiterhaufen gegangen; wenn diese Fiktionen nicht wären, dann hätte wohl 181