Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 176 (sequence 218)
- Language
- German, English, Hebrew
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7. Sitzung: Generaldebatte Del. Jean Fischer (Belgien — französisch): Ich danke Maitre Bernheim dafür, daß er die französische Sprache auf unserem Kongreß ertönen ließ. Ich bedaure, nicht dasselbe tun zu können (Eufe: Auch französisch!), da ich von allen Delegierten verstanden werden will. (Neue Zwischenrufe.) Hoher Kongreß! Das Rauschen in unserem Blätterwalde vor dem Kongreß konnte als der Vorbote eines heftigen Sturmes gedeutet werden. Glücklicherweise ist bis jetzt der Kongreß sehr ruhig verlaufen, teils aus Ermüdung, teils aus Besonnenheit. Ich hoffe, daß auch das Ende des Kongresses besonnen sein wird. Man hat viel von der Krise gesprochen. Ich habe aus Gesprächen mit Palästinensern den Eindruck gewonnen, daß die Krise bereits ein akuter Zustand geworden ist. Die ganze Schärfe der Situation ist mit einigen Worten zu kennzeichnen: Anstatt jüdischer Einwanderung nach Palästina haben wir Auswanderung! Das ist eine furchtbare Tatsache. Und trotz der Auswanderung, trotz dieses starken Aderlasses herrscht in Palästina Arbeitslosigkeit. So ist der Zustand. Es wurde am Eröffnungsabend in treffenden Worten hier davon gesprochen, daß wir einer Neubelebung bedürfen, einer geistigen, inneren Neubelebung. Ich fühle mich bei einer solchen Ermahnung nicht als Eichter, sondern als ein Sünder. Aber seit Menschengedenken bedarf der Erdensohn der geistigen Neubelebung und oft hat er sie auch durchgemacht, sonst wären wir heute tot. So manche Völker waren dieser Neubelebung unfähig und sind verschwunden. Wir haben durch den Zionismus bewiesen, daß wir einer solchen Neubelebung fähig sind. Der Zionismus ist unsere Wiedergeburt. Aber es ist das kein Ereignis, das wir passiv erleben; wir müssen wissen, was wir bei dieser Wiedergeburt zu tun haben. Man kann sehr viel darüber diskutieren, ob durch Anwendung äußerer Mittel, durch organisatorische Maßnahmen die innere Aktionsfähigkeit erhöht werden könne. Das eine steht fest, es gibt nur ein Kriterium für unsere Arbeit, und das sind die Eesultate. Ich will unsere Gesamtleistung nicht verkleinern, aber unsere Eesultate zeigen, daß in unserem System etwas nicht richtig ist. In vielen Punkten ist die Eeorganisation nötig. Wir sind unter dem Einfluß der Außenwelt eine Maschine geworden; aber unsere Maschine besteht aus Bestandteilen, die nicht von Stahl sind, sondern Menschen; es gibt immer wieder Eeibungen. Unsere Menschen gehorchen nicht einem Druck auf den Knopf wie eine tote Maschine. 176