Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 175 (sequence 217)
- Language
- German, English, Hebrew
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Bernheim Gedenkfeier im Casino-Saale war ich erschüttert und ich betrachte es als meine Aufgabe, meinen Freunden in Paris von dem starken Erlebnis zu erzählen. Ich hoffe, daß sich die zionistische Bewegung auch in Frankreich entwickelt und daß die französischen Zionisten auf dem nächsten Kongreß durch mehrere Delegierte vertreten sein werden. Zur Frage der Finanzierung des Palästina-Aufbaues möchte ich bemerken: Es wäre sehr zu wünschen, daß bald die Zeit kommt, wo man imstande sein wird, ein stabiles, von den Zufälligkeiten der Sammelergebnisse befreites Budget aufzustellen. Ziel des Palästinaaufbaues muß eine vollendete Autonomie des Jischuw sein, und an dem Tage, wo das zur Tatsache geworden ist, wird man auch in strafferer Weise die Budgetierung des Aufbaues vornehmen können. Hinsichtlich der Jewish Agency scheint es mir, daß die praktischen Notwendigkeiten unbedingt dafür sprechen, den Kreis der am Palästinaaufbau Interessierten zu erweitern. Diese Erweiterung stellt auch eine Möglichkeit dar, auf dem Wege der Börsen die Herzen und Seelen derjenigen zu gewinnen, die sich zur gemeinsamen Arbeit im Dienste des Aufbaues uns anschließen werden. Gegenüber der Mandatarmacht billige ich den Kurs der Führer der Zionistischen Organisation. Man kann mit der großen britischen Nation nur auf die Weise verhandeln und kooperieren, wie es die Exekutive tut. Damit ist gewiß nicht gesagt, daß eine Opposition überflüssig sei. Jabotinsfeys Rede hat sicherlich einen großen propagandistischen Wert. Sie dient auch dazu, die Aktivität der Führung zu steigern. Die Opposition darf jedoch nicht allzu heftig sein; denn man muß sich vor Augen halten, daß es Juden gibt, die vor der Tür stehen und sich nicht getrauen, den Schritt über die Schwelle der Zionistischen Organisation zu machen. Diese würden abgeschreckt werden. Außerdem könnten die Gegner die inneren Streitigkeiten für ihre Zwecke ausnützen. Zum Schlüsse will ich bekennen, daß ich von dem tiefen Glauben erfüllt bin, daß der Palästina-Aufbau nicht nur in den Mittelpunkt des Zionismus gestellt werden muß und daß von ihm der Zionismus abhängt, sondern daß auch das Schicksal des gesamten Judentums eng verknüpft mit dem Palästinaaufbau ist. Nach meiner Auffassung bedeutet die Vollendung des Palästinawerkes die Erfüllung der dem jüdischen Volke auferlegten prophetischen Mission, und der Weg des Zionismus wird zugleich ein Weg der Wiedergeburt der Menschlichkeit sein. (Lebhafter, anhaltender Beifall.) 175