Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 173 (sequence 215)
- Language
- German, English, Hebrew
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Reich kommen soll. In meritorischer Hinsicht spricht manches für und manches gegen die Jewish Agency. Auch wir sind nicht frei von Zweifeln und Skrupeln und wir haben unsere Einwendungen, aber wir wägen die positiven Faktoren auf der einen und die negativen auf der anderen Seite ab und sehen zu, was überwiegt. Gegen die Jewish Agency spricht die Angst um die Kürzung des Prestiges der Organisation, für die Jewish Agency spricht der Artikel 4 des Mandates, der der Organisation die Pflicht auferlegt, weitere Kreise zur Mitarbeit heranzuziehen, sowie das Bewußtsein, daß Palästina das jüdische Land ist und der Palästinaaufbau das Arbeitsfeld des ganzen jüdischen Volkes sein soll. Gegen die Jewish Agency spricht die Befürchtung der Schmälerung — zwar nicht der Selbständigkeit, aber immerhin der Souveränität des Kongresses, für die Jewish Agency spricht der Verzweiflungsruf der Arbeitslosen und die Eesignation der Eückwanderer, die bezeugen, daß wir aus eigenen Kräften nicht in der Lage sind, Krisen vorzubeugen, und kaum fähig, ausgebrochenen Krisen ein Ende zu setzen. Gegen die Jewish Agency spricht das Mißtrauen oder — wenn Sie wollen — das übergroße Zutrauen zu den englischen und amerikanischen Gentlemen, die bei „fifty-fifty" aus ehrlicher Ueberzeugung uns überstimmen werden, insoferne wir sie nicht werden überrumpeln wollen. Für die Jewish Agency spricht unser Zutrauen zur Macht des Gedankens und die Ueberzeugung, daß diese Männer, die gekommen sind, um für Palästina zu arbeiten, gelockt durch den Zauber der Idee und gedrängt durch das Gefühl der Liebe zu Erez Israel, das im Untergrund ihrer Seele schlummerte, an der Arbeit in Palästina den Windhauch der nationalen Eenaissance erfühlen und dem Geiste dieser Eenaissance selbst unterliegen werden. Im Vertrauen auf die Macht unserer Idee werden wir das begonnene Werk bis zum Ende fortführen. Das Budget wollen wir kürzen, aber nicht so, daß die Notwendigkeiten der Zionistischen Organisation darin erstickt werden. Wir verlangen eine Konsolidierung der Arbeit und eine Konsolidierung unserer Eeihen, eine Eeorganisierung unserer Wirtschaftsmethoden und eine Festigung der Organisation. Die Verantwortung, die auf diesem 15. Kongresse auf uns lastet, ist weit größer als jene war, die auf dem ersten Kongresse lastete, dessen Jubiläum wir hier feiern. Damals war es der Mut des Gedankens, heute kennzeichnet uns der Wille zur Tat. Damals galt es die Antwort auf die Frage, was wir wollen, heute die Antwort auf die Frage, was wir müssen. Und die Leistungen dieses Kongresses werden nicht nach den Eeden beurteilt, welche hier gehalten worden sind, sondern 173