Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 169 (sequence 211)
- Language
- German, English, Hebrew
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Mrs. Bension den, um die Juden der Mandatarmacht für unsere Ideale zu gewinnen? Wir in Kanada glauben, daß man es tun sollte. Nun hat Herr Sokolow hervorgehoben, daß die zionistischen Frauen Englands sehr an Boden gewonnen hätten. Sie mit ihrem Takt seien im Begriffe, die Mauer der anglo-jüdischen Indifferenz zu zerstören. Nun, wenn die Frauen es wollen, dann wird auch die englische Judenschaft noch zionistisch werden und ihren richtigen Platz in unseren Eeihen einnehmen. Da wir aus einem Lande der Pioniere kommen, so möchten wir kanadischen Zionisten unseren Pionieren in Palästina, die ihre Bürde mit so viel Mut und Kraft tragen, sagen, daß Wohlstand und Unglück im menschlichen Fortschritt wie Ebbe und Flut sind und daß Ebbe und Flut öfter in der Kindheit einer Nation vorkommen als in späteren Tagen. Unsere Pioniere in Kanada haben die Ebbe des Unglücks immer wieder kennen gelernt, und es war ein unvergleichlicher Mut notwendig, um unsere öden Landstriche zu erobern; ja selbst nach mehreren Jahrhunderten sind wir von ihrer vollständigen Eroberung noch weit entfernt. Wir Zionisten sind in der großen Vision einiger Staatsmänner erzogen worden. Wir haben für die Fehler vieler sogenannter Staatsmänner bezahlt, deren Versprechen, solange sie in der Opposition waren, so verheißungsvoll klangen und deren Handlungen, wenn sie die Macht besaßen, nutzlos und vergeblich waren. Aber wir haben uns in hervorragender Weise entwickelt. Es ist richtig: unser Wachstum war ein sehr langsames, viel zu langsam für die jüdische Mentalität; denn die jüdische Mentalität ist ungeduldig vom ersten Schritt an; sie möchte bereits laufen in einem Zeitpunkte, wo sie erst gehen lernen sollte, sie möchte in Jahrzehnten erreichen, was Jahrhunderte erfordert. Grünbaum sagte, wir haben keine Zeit und Palästina hat keine Zeit. Ich möchte ihm antworten, daß es nicht so sehr eine Frage der Zeit als eine solche der Kraft ist. Es ist richtig, wir müssen uns beeilen. Wir müssen Schritt halten mit den praktischen Möglichkeiten, die innerhalb unseres Bereiches liegen. Aber wir dürfen unsere Kraft nicht überschätzen; denn jene, die vom Wege abkommen, erzählen eine Geschichte, die man nicht wegleugnen kann. Aber auf der betretenen Bahn zurückzugehen und dieselbe Aufgabe wieder von vorn zu beginnen, wenn der Läufer bereits erschöpft und müde ist, das ist eine herzzerbrechende Aufgabe, die nur mit unerhörten Kosten an Menschenmaterial und Menschenwerten gelöst werden kann. Also lieber Eile mit Weile! Unsere Ungeduld ist gewiß natürlich. Denn wer von uns kann den Gedanken er- 169