Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 205)
- Language
- German, English, Hebrew
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Guedalla jüdischen Volkes sagte — alle Minoritätsführer sprechen immer im Namen des ganzen jüdischen Volkes — das jüdische Volk könne nicht warten, Palästina könne nicht warten. Ich möchte ihn daran erinnern, daß das jüdische Volk und Palästina zweitausend Jahre gewartet haben und daß, als das Ende dieses Wartens kam, dieses Ende nicht durch irgend eine Minoritätsgruppe herbeigeführt wurde, sondern durch den Führer der Zionistischen Bewegung, der heute auf dieser Estrade sitzt. Wenn ich Kritiken dieser Art zu hören bekomme, wünsche ich manchmal, wir könnten etwas realistischer sein. Diese Herren, die nicht warten können, wissen so gut wie ich, daß die jüdische Geschichte in den letzten zehn Jahren rascher vorwärts gegangen ist als in den zweitausend Jahren vorher. Wäre nicht von den Männern, die auf dieser Estrade sitzen, das geleistet worden, was Sie so gut kennen wie ich, hätten die Kritiker nichts zu kritisieren und die Kevisionisten nichts zu revidieren. Schließlich hörten wir von Herrn Grünbaum die Klage darüber, daß die Arbeit der Zionistischen Organisation nur „Kleinarbeit" sei; und wie er das sagte, fragte ich mich, wo denn die Dinge in der Welt sind, die durch „Großarbeit" aufgebaut wurden. Das Eeich Alexanders war durch „Großarbeit" aufgebaut und bestand 28 Jahre, das Eeich Napoleons war „Großarbeit", es bestand 11 Jahre. Das britische Eeich, die Vereinigten Staaten, die Wirtschaftsentwicklung Deutschlands, das Werden der französischen Volksseele, die Einigung Italiens, die Dinge, die die Welt bedeuten, in der wir leben, wurden durch „Kleinarbeit" geschaffen und nicht durch Federstriche und nicht durch schöne Eeden. Es ist bloße Kritik um der Kritik willen; das ist nicht Eealpolitik, sondern Filmpolitik; das ist Hollywood. Nur in Augenblicken der Niederlage ruft man „Verrat!" Wir sind nicht in einem Augenblick der Niederlage. Wir können nicht jeden Tag Schlachten gewinnen; doch möchte ich sagen, daß wir zwischen zwei großen Siegen stehen, dem Sieg von 1918 und des Mandates und dem Siege, der mit der vollen wirtschaftlichen Entwicklung Erez Israels kommen wird. Viel wurde auch von dieser Tribüne über die Jewish Agency gesprochen. Ich als britischer Zionist möchte nur sagen, daß ich keine solche Angst vor den Niehtzionisten habe, wie dies anscheinend bei den Kritikern der Agency der Fall ist. Sie scheinen zu glauben, daß diese schrecklichen Leute, wenn wir mit ihnen an einem Tisch sitzen, uns assimilieren werden. Ich möchte den Niehtzionisten sehen, der mich assimilieren kann — ich glaube, früher würde ich ihn assimilieren; mindestens bin ich bereit es zu versuchen. 11* 163