Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 162 (sequence 204)
- Language
- German, English, Hebrew
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& Sitzung; Generaldebatte wird, weil das Verhältnis der Juden in der Polizei gerecht oder ungerecht ist. Wir mögen in der Sache Recht habenaber dem Mann von der Straße werden wir das nicht beibringen. Da& gehört ins Beratungszimmer. Zollsätze erscheinen hier als eine große Sache, Eisenbahntarife erscheinen als große Sache. Niemals werden wir große politische Parteien in einem anderen Lande dazu bringen, daß sie vor Empörung kochen über die Frachtsätze in Erez Israel, wenn sie die in ihrem eigenen Lande, von London nach Manchester, nicht nach ihren Wünschen zurechtbringen können. Das sind nicht Dinge, derentwegen man von den Dächern ruft oder eine große politische Kampagne einleitet. Und weil wir englischen Zionisten so nahe dem Beratungszimmer, dem Kolonialamt und Downing Street leben, ist unsere Aufmerksamkeit eher auf diesen Teil der Arbeit konzentriert; und weil wir so viel an diesen Teil der Arbeit denken, ist vielleicht unser Interesse an der häuslichen Politik unserer Bewegung etwas lau und schwach. Von England lernen wir, daß eine Nation in Kriegszeiten keine Politik kennt; und ich denke manchmal, es wäre nicht übel, wenn wir Zionisten verstünden, daß auch wir im Kriegszustand leben. Wir sind im Kriege mit zweitausend Jahren jüdischer Geschichte; wir sind im Kriege mit den harten Tatsachen des Wiederaufbaues von Erez Israel; und ich denke, es wäre gar nicht schlimm, wenn wir manchmal etwas mehr an den Krieg und etwas weniger an unsere Parteinuancen dächten. Wir haben hier im Kongreß der beredsamen Kritik der jetzigen Leitung gelauscht; und wenn ich für mein Land sprechen kann, so hat uns das nicht erschüttert; denn Angriffe auf Dr. Weizmann lassen uns aus einem sehr einfachen Grunde kalt. Dieser Grund ist: wir wissen, daß er das Vertrauen der Mandatsregierung und der Führer aller britischen politischen Parteien besitzt. Eegierungen sind schließlich ebenso wie Menschen, und Eegierungen setzen nicht sehr schnell ihr Vertrauen auf diesen oder jenen Menschen — und im allgemeinen haben sie recht, wenn sie es sich überlegen. Und wenn Sprecher auf dieser Tribüne stehen, Führer unserer Bewegung, und uns erzählen, — wie manche taten — daß sie kein Vertrauen zur britischen Eegierung haben, so glaube ich nicht, daß Mißtrauen gegenüber der britischen Eegierung eine gute Qualifikation für zionistische Leitung ist; denn Mißtrauen ist ein Gefühl, das leicht auch bei der Gegenseite ansteckend wirkt. Ich glaube, wie William Pitt sagte: „Vertrauen ist eine Pflanze von langsamem Wachstum in diesem alten Busen"; und wenn dieses Vertrauen sich entwickelt hat, so sollten wir nichts tun, um es zu zerstören. Ich hörte mit besonderem Interesse die beredten Angriffe Herrn Grünbaums, der uns im Namen des 162