Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 164 (sequence 206)
- Language
- German, English, Hebrew
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6. Sitzung: Generaldebatte Ich hörte wie wir alle mit tiefem Interesse die Eede von Dr. Wise und ich fand mich mit sehr vielem, was er sagte, in vollständiger Uebereinstimmung. Doch zweifle ich, ob ein Wort, das er über die Haltung der britischen Eegierung sagte, so ganz richtig war. Ich habe immer gedacht, es sei das Vorrecht britischer Untertanen, die britische Eegierung zu schelten, und ich möchte glauben, daß, wenn die britische Eegierung gescholten werden soll, wir das lieber ihren eigenen Steuerzahlern vorbehalten sollten. Ich stehe nicht hier, um alle und jede Handlung der britischen Eegierung zu verteidigen. Ich habe kein Mandat vom Kolonialamt; und wenn das Kolonialamt ein solches Mandat erteilen würde, so wäre ich nicht der Eichtige, es zu übernehmen, da ich in jeder Wahl seit 1918 gegen jede Eegierung aufgetreten bin. Dennoch möchte ich ein warnendes Wort an jene richten, die Kritik an der Eegierung üben wollen. Es gibt einen Ton der Kritik, der immer populär ist. Nichts ist so pikant in einer Eede, wie wenn man die britische Eegierung verdammt. Das ist immer populär, aber nicht sehr nützlich. Die britische Eegierung ist das günstigste Objekt in der Welt für Kritik, weil sie niemals antwortet. Dennoch möchte ich mir erlauben zu sagen, daß, wenn wir so viele Dinge und so viele Dienste von der britischen Eegierung verlangen, auf die wir sicherlich ein Eecht haben, von denen wir aber auf einige doch ein geringeres Eecht haben als auf andere, daß es gut wäre, unsere Worte sorgfältig zu wählen, wenn wir über die Sünden der Eegierung sprechen wollen. Es gibt bei öffentlichen Eeden eine gute Tradition, die unter dem Namen bekannt ist: „den Löwen am Schweif zupfen"; doch glaube ich, daß es erheblich sicherer ist, den Löwen über den Ozean als über den Suezkanal herüber zu zupfen. In unseren Dingen haben wir sanfte Worte für alles und für jeden auf der Welt, sanfte Worte für den Völkerbund, sanfte Worte für das Internationale Arbeitsamt des Völkerbundes und für die internationale Arbeiterbewegung, aber nur sehr wenige für die britische Eegierung. Großbritannien steht zu lange in der internationalen Politik, um Dank zu erwarten. Doch möchte ich Sie darauf aufmerksam machen: der Engländer ist ein geduldiges Tier. Er wird ein nationales Heim für uns erobern helfen. Er wird ein Mandat dafür übernehmen, er wird alles tun, was er in seinem Interesse tun zu sollen glaubt. Wenn wir ihm aber einmal über das andere Mal sagen, er habe sein Wort gebrochen, dann kann ein Augenblick kommen, wo er vielleicht wirklich sein Wort bricht. (Dr. Stephen Wise: Ich glaube nicht, daß Sie das im Ernste von Ihrer eigenen Eegierung sagen.) Ich will sagen, wenn wir England zu scharf zusetzen, dann kann es 164