Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 159 (sequence 201)
- Language
- German, English, Hebrew
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Thon, Guedalla haben wir doch ungeheure Aktiven dafür gewonnen. Wir haben Lehrgeld gezahlt, aber wir haben dafür etwas erreicht. Jedenfalls müssen wir unser gerüttelt Maß voll von Verantwortung auf uns nehmen. Der Zionismus soll natürlich saniert werden. Kein Mensch sagt, man solle nicht sanieren. Aber ich warne vor dem Banausentum im Zionismus, von dem die Strömung Eth Liwnoth ein abschreckendes Beispiel ist. Die Arbeiter ihrerseits sollten doch in ihrem Absperrungsprozeß, den sie betreiben, Halt machen. Mir ist ein Klassenkampf in einem werdenden Gemeinwesen an sich unbegreiflich. Noch unverständlicher aber ist mir das Streben nach Absonderung, das die Arbeiter gegenüber den bürgerlichen Elementen in Palästina an den Tag legen. Da ist z. B. die besondere Arbeiterschule. Wollen Sie wirklich eine proletarische Schule gegenüber der höheren, bourgeoisen? Durchaus nicht. Sie wollen eine aristokratische Schule, weil Sie sich, mit Eecht, als die geistige Elite fühlen. Und das ist sicherlich kein sehr lobenswertes Beginnen. In unserer Geschichte gibt es Symbole, die man nicht verwischen, nicht fälschen darf. Der Stammvater Jakob war wohl der erste Volljude. Als er seinen schönsten Traum träumte, da lag sein Kopf auf einem harten und kalten Stein. Die Leiter soll bis in den Himmel ragen, aber sie muß auf der Erde feststehen. Sie darf nicht in der Luft hängen und darf auch nicht zu niedrig sein. Zionismus ist eine Tat von Fanatikern. Wir sind eine kämpfende Organisation. Ich fürchte nicht die, die auf unser Erbe lauern, ich fürchte die Flauheit im eigenen Lager. Ich fürchte die Abnahme der Festigkeit unseres Willens. Nur mit Fanatismus und unbeugsamem Wollen werden wir Erez Israel aufbauen. (Lebhafter Beifall.) Del. Philip Guedalla (England — englisch): Herr Präsident, meine Herren! Ich möchte als Sprecher der britischen Delegation sogleich sagen, daß ich hier im Kongreß nicht „Kongreßdeutsch" reden werde, sondern Kongreßenglisch. Ich glaube nicht, daß ich mich entschuldigen muß, wenn ich diese Versammlung in der Sprache der Balfourdeklaration und nahezu — wenn Dr. Wise freundlichst gestattet — in jener der Vereinigten Staaten anspreche. Wir kommen zu diesem Kongreß ohne Khetorik und ohne Philosonhie. Wir kommen aber mit sehr tiefer und sehr ernstlicher Würdigung der Stellung von ganz besonderer Schwierigkeit und Verantwortung, die wir, die wir im Lande der Mandatarmacht wohnen, wenn auch ohne unser Verdienst, einzunehmen haben. Diese Stellung bringt besondere Verantwortung mit sich, und diese Verantwortung läßt sich nicht ohne weiteres 159