Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 157 (sequence 199)
- Language
- German, English, Hebrew
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Thon in unserer Statik, sondern in unserer Dynamik. Diese aber geht verloren oder wird lebensgefährlich, wenn man sich einbildet, daß es schon „unterwegs" einen Status gibt. Es gibt ja kein Wort, das wie ein Programm, wie ein Gedanke aussieht, das nicht manchen strebenden Jünglingen, auch wenn sie nicht mehr jung sind, genügen würde, eine neue Fraktion zu gründen. Dadurch werden wir zu einer zerschlagenen Armee. Ich weiß gar nicht, wie viele Gruppen hier vertreten sind, kleinere und größere. Jede bekommt einen Namen, nennt sich links, nennt sich rechts, oben, unten, mittel — das kann die Zionistische Organisation nicht mehr lange aushalten. Das ist unsere schwere Krankheit. Nun zur Frage: Was haben wir dem jüdischen Volk zu sagen über die Geldkrisis und über die wirtschaftliche K r i s i s, welche zweifellos herrscht? Wenn man „Staat" spielt, dann ist nichts anderes zu tun: man kürzt das Budget, man streicht, man sagt: Wir haben nicht mehr. Der Finanzminister eines Staates kommt zur Ueberzeugung, er könne nur so und so viel Steuern ausschreiben, um nicht die wirtschaftliche Substanz des Volkes anzurühren. Ist bei uns eine derartige Erwägung am Platze? Durchaus nicht! Weizmanns viel zitiertes Wort: „Jüdisches Volk, was hast Du getan?" hat doch seine Kichtigkeit. Das jüdische Volk hat nicht überall seine Pflicht getan, einfach deswegen, weil wir es noch nicht erfaßt haben. Wir haben nur einen kleinen Bruchteil des Volkes erfaßt. Wieviel Keren Hajessod-Zahler haben wir denn? Haben die anderen gesagt, sie wollen nicht zahlen? Sind Sie dann an sie herangetreten? Wir müssen unsere Kräfte verdoppeln, verzehnfachen, verzwanzigfachen. Wir müssen Menschen heranziehen und aus ihnen alle Arbeitskräfte herausholen. Das Budget soll enge gemacht werden, und in diesen engen Rahmen wollen Sie zum Beispiel das Erziehungswesen unterbringen. Meinen Sie, daß so etwas gleichgültig ist? Wenn sie 5000 Kinder auf die Straße setzen oder in die Missionsschulen drängen? Oder ihnen das Hebräische aus dem Munde reißen? (Lebhafter Beifall.) Glauben Sie, daß man so Palästina aufbauen kann? Was machen Sie, wenn Sie nicht hebraisieren? Warum wollen Sie aus dem Zionismus ein Rechenexempel machen, der doch nie ein Eechenexempel sein kann? Was soll man also tun? (Zwischenrufe des Del. Blume n f e 1 d.) Man muß noch mehr Zionisten einspannen in die Arbeit. Man muß Distanzen messen können. Wie hat sich Herzl sechs Jahre lang abgequält, um das Gründungskapital der Bank zu erlangen! Er starb und hatte kaum den achten Teil der geplanten Summe erreicht. Heute verfügt die Zionistische Organisation in einem Jahre über ein Mehrfaches dieser 157