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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1927-01-01 · 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927 · p. Seite 156

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
Date
1927-01-01
Page
Seite 156 (sequence 198)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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6. Sitzung: Generaldebatte Wenn wir von Krisis reden, so denken wir zunächst an die Arbeitslosigkeit, den Geldmangel und alles andere, was damit zusammenhängt. Ich denke aber in erster Linie an die Krisis in der Organisation. Wir zerschlagen und atomisieren uns, und ich glaube nicht, daß eine zerschlagene Organisation leistungsfähig sein kann. Die „Stam"-Zionisten (Allgemeinen Zionisten) müssen der stärkste Tragbalken des Zionismus bleiben. Das liegt auch im vitalsten Interesse der sogenannten „Flügel", die ohne die Allgemeinen Zionisten einfach in der Luft hängen würden. Ich habe in einem engeren Kreise ein Wort ausgesprochen, das ich hier gerne wiederhole, in der Hoffnung, daß ihm einmal Flügel wachsen. Ich sagte: Der „Stam"-Zionismus ist nicht farblos. Er ist vielmehr das Spektrum der Zionistischen Organisation, er hat alle Farben in sich. Wir stellen keine Bedingungen an den Zionismus und an seine Verwirklichung. Wir sagen nicht, wie der Misrachi: Werdet ihr fromm sein, dann soll es einen Zionismus geben, sonst soll ihn der Teufel holen! Wir sagen nicht mit der Linken: Wird der Zionismus den ganzen Marx verwirklichen, dann soll er bestehen, wenn nicht, dann soll er zum Teufel gehen! Wir wollen das jüdische Volk aufrichten. Wir wollen das jüdische Land aufbauen. Das jüdische Volk soll sich dann seinen Weg bahnen. Bei aller tiefen Achtung vor unserer Tradition mit ihren ungeheuren Werten, bei aller tiefen Achtung vor großen sozialen Doktrinen — sind sie uns doch keine Bedingungen zur Verwirklichung des Zionismus. Der „Stam"-Zionismus hat nur eine Voraussetzung: das jüdische Volk und seine gesicherte souveräne nationale Zukunft. Nun, diesen „Stam"-Zionismus, den zentralen Tragbalken der Zionistischen Organisation, will man zerschlagen. Darin liegt eine große Gefahr. Auch das ist eine Krankheitserscheinung, daß manche, sogar viele, sogar bedeutende unter uns, sich so gebärden, als ob wir schon den Judenstaat hätten. Darauf hin fühlen sie sich schon als Minister oder doch als Ministrable. Daraus entstehen dann hohle Schlagworte, die absolut keinen Sinn haben und mit denen man herumwirft, als ob sie Gott weiß wie sinnreich wären. Dieses „Staatsspielen" drückt sich sehr charakteristisch aus in einem Worte, das man letztens zu Tode peitscht. Herzl hat einmal ein schönes paradoxes Wort geprägt: Die Zionistische Organisation sei der Judenstaat unterwegs. Gebraucht man dieses Wort nur so in festlicher Stimmung, kann man es ja gelten lassen. Macht man aber daraus ein Programm, dann peitscht man es zu Tode. Denn man kommt dann dahinter, daß es die reine Contradictio in adjecto ist. „Staat" kommt ja von „status", vom Feststehenden und Stabilisierten. Unsere Aufgabe und Stärke liegt aber nicht 156

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