Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 153 (sequence 195)
- Language
- German, English, Hebrew
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Hindes Ich komme nun auf das Kolonisationsprogramm zu sprechen, welches der Kongreß beschließen muß. Man darf die Bewegung nicht weiter führen, ohne zu zeigen, wie man neue Menschen nach Palästina führt. Der Zionismus ist kein Glaube, er beruht auf begründeter Ueberzeugung. Wir können und dürfen uns nicht mit der Beseitigung der Arbeitslosigkeit, mit der Absorption der Arbeitslosen allein zufrieden geben. Das ist keine Grundlage für unsere Arbeit, umsomehr, als sogar diese Aufgabe nicht vom Keren Hajessod gelöst werden kann. Wir brauchen vielmehr ein klares Kolonisationsprogramm für die weitere Arbeit. Es ist daher sehr zu bedauern und der Exekutive zum Vorwurf zu machen, daß die Reorganisationskommission nicht nach Palästina gegangen ist. Wir wußten von vornherein, daß die Reorganisationskommission keine Erlösung und nicht einmal eine Lösung bringen kann. Aber wir wollten den letzten Versuch mitmachen. Wir haben für die Anleihe gestimmt unter der klaren und ausgesprochenen Voraussetzung, daß eine unabhängige Kommission nach Palästina geht und das schlechte System endlich ändert. Warum ist diese Voraussetzung nicht erfüllt worden? Wer hatte das Recht, das zu verhindern? Jetzt muß sich der Kongreß in eine Reorganisationskommission verwandeln und endlich einmal feststellen, welche Fehler im Kolonisationssystem begangen worden sind und welche Möglichkeiten für uns überhaupt bestehen. Ich sehe nur eine Möglichkeit: Wir müssen das Privatkapital nach Palästina bringen! Zwei Umstände haben es bisher verhindert, daß das Privatkapital sich in Palästina betätigt hat. Zwei Tatsachen haben das Vertrauen zu Palästina untergraben: Erstens, daß die Organisation trotz aller Warnungen Washingtons selbst die Rolle eines Unternehmers auf sich genommen, sich in wirtschaftliche Unternehmungen eingelassen und große Verpflichtungen auf sich genommen hat, welchen sie jetzt nicht nachkommen kann. Das bezieht sich ebenso auf Solei Boneh wie auf Kehiliath Zion. (Heftige Zwischenrufe und Lärm links.) Dieser Weg macht es jetzt der Organisation unmöglich, für wirkliche private Unternehmungen und privates Kapital Verständnis zu haben. Die Organisation sollte sich darauf beschränken, Bedingungen zu schaffen. Ihre Aufgaben sind: Boden, Kredit, billige Arbeit. Das gekünstelte System maskierter Subventionen nach links und rechts erstickt uns in Geldverpflichtungen, denen wir nicht nachkommen können. 153