Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 152 (sequence 194)
- Language
- German, English, Hebrew
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6. Sitzung: Generaldebatte spiel in der Geschichte bekannt, wo eine Partei die Volkswirtschaft verwaltet hat: das ist das neue Rußland. Aber auch dort ist man heute bemüht, die Wirtschaft zu entpolitisieren. Wir erlauben daher, daß eine EntPolitisierung unserer wirtschaftlichen Arbeit im Wege der Jewish Agency eine Notwendigkeit in der Entwicklung des jüdischen Volkes ist. Die Opposition war gegen diese unsere Ansicht. Es war daher für uns eine Ueberraschung, heute aus dem Munde Jabotinskys zu hören, daß er, wenigstens prinzipiell, auf demselben Standpunkt steht. Die Idee der Jewish Agency war, uns wenigstens, nur von dem Wunsche eingegeben worden, eine breite wirtschaftliche Front für den Aufbau Erez Israels zu gewinnen. Nun ist auch Jabotinsky zu derselben Ueberueugung gelangt! Der ganze erbitterte Kampf gegen die Jewish Agency, der bisher geführt worden ist, war nur geeignet, das Prestige der Bewegung zu untergraben. Ist aber Jabotinsky wirklich bereit in dem ganzen Komplex der Wirtschaftsfragen sich auf die Basis der Agency zu stellen, dann können mehrere unglückselige Mißverständnisse beseitigt werden. Aber auch an die Exekutive haben wir in dieser Hinsicht eine Frage zu stellen. Wir sind noch heute felsenfest davon überzeugt, daß der Weg der Jewisch Agency der normale, gesunde Weg in der zionistischen Entwicklung ist. Aber diese Sache darf nicht so lange verschleppt werden. Ich weiß, Dr. Weizmann trägt für diese Verschleppung nicht die Verantwortung. Wir stehen seit vier Jahren im Vorzimmer der Jewish Agency. Das demoralisiert die Bewegung. Wir müssen nunmehr die ganze Energie und Autorität der neuen Exekutive dazu benützen, diese Frage einmal für allemal zu lösen und sie nicht weiter zu verschleppen. Auf dem Gebiete der Außenpolitik sind wir der Meinung, daß unsere politische Lage von der wirtschaftlichen abhängt. Unsere Schwäche und unser Mangel an politischer Erfahrung sind keine Grundlage, auf der Großes erreicht werden kann. Doch müssen wir der Exekutive zum Vorwurf machen, daß sie ihre Kurzsichtigkeit in Bezug auf wirtschaftliche Fragen auch in der Außenpolitik zum Ausdruck gebracht hat. Es kommen in Palästina Dinge vor, insbesondere auf dem Gebiete der Steuer- und Zollpolitik, die unsere Kolonisation direkt unmöglich machen, und wir stimmen in diesem Punkte der energischen Forderung der Opposition zu, daß unsere Außenpolitik in Palästina aktiviert werden soll. 152