Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 192)
- Language
- German, English, Hebrew
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6. Sitzung: Generaldebatte wendig wurde, daß parallel mit der Mensclienwelle auch die Kapital welle nach Palästina ströme. Um aber wirklich zu erreichen, daß in der zionistischen Bewegung das Gleichgewicht zwischen der Menschenwelle und der Kapitalwelle hergestellt werde, müssen wir heute den Weg für Privatkapital bahnen. Am weitesten entfernt sind wir freilich vom palästinalosen Zionismus meines Freundes und Lehrers Grünbaum. Wir wundern uns wirklich, wie man heute eine solche Stellung zu den zionistischen Problemen einnehmen kann, daß die ganze Energie dem Kampfe an den verschiedenen Galuthfronten gewidmet ist, während von Kolonisation in Palästina kein Wort gesprochen wird. In dieser Beziehung stehen wir unseren Freunden auf der Linken viel näher. Der Primat innerhalb der Fragen, die sich auf den Aufbau Palästinas als eines nationalen jüdischen Heimes beziehen, gebührt unstreitig der Frage der Kolonisation. Eine zweite Legende, die in der jüdischen Welt kursiert, ist, daß unsere Eichtung eine Strömung gegen die Arbeiterschaft bilde. Gewiß sind wir in einer grundlegenden Beziehung mit dem linken Flügel der Bewegung nicht einer Meinung: in der Frage des Kolonisationssystems nämlich, das sich der linke Flügel zurechtgelegt hat und von dem er heute keinen Ausweg findet. Es geht nicht mehr weiter an — und darin unterschreiben wir die Worte des Herrn Dr. Weizmann vollständig —, daß der Aufbau des jüdischen Nationalheimes auf Kosten des Standard of life des jüdischen Arbeiters gehe. Das ist nicht bloß aus moralischen, sondern auch aus politischen Gründen unzulässig; denn es erzeugt einen Badikalismus, den, weil er aus der Verzweiflung kommt, auch die größten Anstrengungen nicht zur Disziplin zurückführen können. Wir müssen also ein anderes System finden, das nicht ständig auf den Lebensstandard der jüdischen Arbeiter drückt. (Lebhafter Beifall.) Der Kongreß steht im Zeichen eines kleinen Budgets. Es ist erstaunlich, daß wir die ganze Zeit hindurch vom Budget reden und uns nicht die Ursachen der Kleinheit dieses Budgets vor Augen führen. Noch Herzl hat in seiner Eröffnungsrede beim ersten Kongreß gesagt: „Die Juden sind ein praktisches Volk und können rechnen. Sie prüfen jedes Programm nach, und wenn es schlecht ist, geben sie kein Geld für seine Realisierung." Wir müssen vor allem eine klare Perspektive der Kolonisationsarbeit haben; denn die Eingänge für den Keren Hajessod stehen in einem direkten Verhältnis zu unserer Arbeit, und unser Mangel an Perspektiven ist die Ursache des Mißerfolges des Keren Hajessod. Sind 150