Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 171)
- Language
- German, English, Hebrew
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Jabotinsky auf eine Teilung der Verantwortung. Wir wollen auf jenem Gebiete mit den Nichtzionisten arbeiten, auf welchem sie selbst schon erklärt haben, mit uns arbeiten zu wollen, nämlich auf dem Gebiet der ökonomischen Leistung. Dagegen muß die politische Arbeit, für die jene Kreise kein Interesse in unserem Sinne haben, in unseren Händen bleiben. Das ist etwas, was sich zu einem Zweikammersystem entwickeln könnte. Den ökonomischen Teil, das Sammeln von Geldern, das Zusammenstellen von Budgets und die Kontrolle der praktischen Aufbauarbeit, würden wir gemeinsam mit den Nichtzionisten in der „ökonomischen Kammer" führen. Die politische Funktion der Jewish Agency — „to advise the government" — sollte aber in den Händen der Zionisten bleiben. Das heißt nicht „Kampf gegen die Nichtzionisten", im Gegenteil, wir sollten es aus Achtung vor ihnen vorschlagen. Die Nichtzionisten sind ebenso ernst in ihren Prinzipien wie wir. Das Oekonomische interessiert sie, dafür haben sie Sympathie und Verständnis. Doch die politischen Bestrebungen lassen sie gleichgültig, ja viele von ihnen betrachten die Schaffung eines Judenstaates sogar als eine Gefahr für Israel. Daraus ergibt sich die natürliche Teilung. Es ist nicht möglich, daß die Nichtzionisten die Verantwortung für eine politische Aspiration tragen, die ihnen fremd ist. Dabei darf man aber nicht sagen: Da die Aspiration sie nicht interessiert, werden sie sich von selbst in die politische Sache nicht einmischen, werden den „schlafenden Partner" in der politischen Firma spielen. Es wäre doch immer unsere Pflicht, den Schlafenden zu wecken und ihm zu sagen: Ich will morgen diese Beschwerde oder dieses Memorandum im Namen unserer gemeinsamen Firma an den Völkerbund richten; bist Du damit einverstanden? Es gibt keinen schlafenden Partner in solchen Dingen. Vergegenwärtigen Sie sich die Psychologie des englischen assimilierten Juden. Es sind ehrliche Leute von tiefer TJeberzeugung, große englische Patrioten oder Super-Patrioten. Ihnen ist der englische Patriotismus ebenso eine politische Religion wie für mich mein Zionismus. Glauben Sie, daß solche Leute imstande sind zu erlauben, daß die Jewish Agency nach Genf geht und sich dort vor Ausländern — und sei es in ganz gemäßigtem Tone — über die englische Administration beschwert? Gerade die Aufrichtigsten werden uns niemals erlauben etwas zu tun, wofür sie nicht die Verantwortung tragen wollen. Erzählen Sie uns auch nicht, daß wir in der Jewish Agency die Majorität haben werden. Fifty-Fifty ist ein „Gentlemen's-Arrangement". Es bedeutet, daß der eine zum anderen sagt: Sei ruhig, ich werde nie eine zufällige Mehrheit ausnutzen, um etwas zu tun, was geeren Dein Gewissen geht. Ich fordere Sie auf, sagen Sie es den Partnern: 9 129