Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 170)
- Language
- German, English, Hebrew
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5. Sitzung: Generaldebatte beizubringen: Hier steht ein Gleicher. Ich stelle hier nicht etwa die Kandidatur des Herrn Dr. Wise auf, aber — sind wir wirklich so menschenarm? Dr. Wise hat erklärt: Wir verlangen von England viele Aenderungen. Und die unterdrückte Entrüstung, die in seiner Stimme vibrierte, haben wir alle herausgehört. Zugleich aber meinte er: Wir verlangen vieles — und wir sind sicher, daß dieselbe Exekutive, die bisher eine gewisse Politik betrieben hat, weiterhin mit unserem Vertrauen eine ganz entgegengesetzte führen wird. Auch ich, meine Damen und Herren, habe „Vertrauen" zu diesen Männern, die ich seit langem kenne, die ich tief verehre und, es muß mir gestattet sein, es zu sagen, in alter Freundschaft liebe. Ich habe Vertrauen in ihre Aufrichtigkeit. Das sind nicht Menschen, die heute einen Weg gehen und morgen einen entgegengesetzten, weil ein Kongreß neue Beschlüsse gefaßt hat. Diese Leute sind Impressionisten, aber sie haben ihre Impressionen tief im Gemüte. Diese Leute haben ihre Daltonismen, aber der Daltonismus ist ihnen angeboren. Es ist eine Ueberzeugung bei diesen Leuten, daß die Politik so und nicht anders geführt werden muß. Es ist nutzlos, eine radikale Aenderung unserer Haltung gegenüber den Machtfaktoren zu verlangen und dann die Ausführung den Händen von Leuten zu überlassen, die Ihnen mit aller Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit sagen werden: Dafür sind wir nicht zu haben! Herr Sokolow hat gesagt: Wir rühren uns nicht vom Ort, bis der Kongreß der Krise abgeholfen hat. In materiellem Sinne klingt das wie Ehetorik; wenn man zu rechnen hat mit den Ergebnissen einer Mißwirtschaft von vier Jahren, kann man sie nicht in ein paar Wochen aus der Welt schaffen. In einem anderen Sinne aber hat Sokolow Recht. Die Delegierten sollten sich nicht vom Ort rühren, bis sie nicht das getan haben, was sie wirklich tun können: nämlich für eine Liquidierung unserer eigenen politischen Obstruktion zu sorgen. Ich komme nun zu der JewishAgency. Laut Mandat ist die Jewish Agency die einzige legale Instanz, durch welche die Forderungen der Zionistischen Organisation an die Regierung — vielleicht auch an den Völkerbund — offiziell gestellt werden können. Im Mandat ist keine andere Instanz vorgesehen. Sie ist das einzige legale Instrument unserer Politik, das einzige Sprachrohr der zionistischen Bewegung. Gerade dieses Sprachrohr will man zur Hälfte in nichtzionistische Hände geben. Die einzige Alternative, sagt man, sei — Krieg: entweder Zusammengehen mit den Nichtzionisten auch auf politischem Gebiete oder Kampf gegen die Nichtzionisten auf allen Gebieten. Das ist nicht wahr. Es gibt eine andere Alternative. Ich bin für Mitarbeit der Nichtzionisten, gegründet 128