Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 130 (sequence 172)
- Language
- German, English, Hebrew
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5. Sitzung: Generaldebatte Ja, wir beabsichtigen, euch zu rnajorisieren. Dann werden sie von vornherein ablehnen, in die Agency einzutreten. Sonst aber würden unsere Partner nach einem halben Jahre von uns weggehen, und unsere Feinde würden sagen: Sehet die jüdische Einheit — sie ist schon wieder gebrochen! Und warum das alles? Wer zwingt Euch, jene Leute zu zwingen, auch in die politische Kammer der Jewish Agency zu gehen? Es ist noch nicht zu spät. Man kann noch heute mit ihnen sprechen und eine ehrliche Teilung vorschlagen. Es sind ja keine Leute mit Kaprizen, und man kann ihnen sagen: Du gibst Geld und hast das Hecht mitzubestimmen, was mit dem Gelde geschieht. Aber in jener Sache, die Dich noch nicht interessiert und in der meine ganze Hoffnung liegt, willst Du doch nicht mitarbeiten? Und Du wirst doch wahrscheinlich auch meine Arbeit nicht hemmen wollen? Ich bin sicher, sie werden uns verstehen. Wir bedauern alle, daß der Parteikampf bei uns so erhitzt und vergiftet ist. Aber warum ist das so? Parteikampf kann doch ganz freundschaftlich geführt werden; es wird immer bald diese, bald jene Tendenzen geben und bald diese und bald jene Majorität. Aber dann muß man die Hoffnung haben, daß es ein Appellgericht gibt, wo jeder frei und offen sprechen kann, und das ist der Kongreß. Aber die Gefahr, daß es vielleicht das nächste Mal gar keinen souveränen Kongreß mehr geben wird, das schafft die Verzweiflung, das schafft diese vergiftete Atmosphäre. Wenn man aber die Teilung durchführt und uns die politische Souveränität erhalten bleibt, dann werden jene Leute als Brüder zu uns kommen, und es wird keine Spaltung, sondern ein Freudentag sein in ganz Israel. Ich weiß aus vielen Gesprächen, daß es auch in der Mitte der Exekutive, in der Mitte der amerikanischen Delegation Verständnis für die Teilung gibt. Warum sollen wir sie nicht schaffen, warum sollen wir nicht einen Beschluß fassen, der der Wirklichkeit, der Notwendigkeit, der Ehrlichkeit, der Gerechtigkeit beiden Seiten gegenüber entspricht? Ich spreche von Frieden. Uebertreibt es nicht! Frieden heißt nicht allgemeine Zustimmung. Wenn dieses einträte, dann wäre der Zionismus schlafen gegangen. Aber wir wollen einen solchen Frieden, daß wir uns im Kampfe als Brüder gegenüberstehen, daß wir gegenseitig nicht den Verderber in dem anderen sehen. Wollt Ihr diesen Burgfrieden schaffen, so habt Ihr den Weg: schafft das Zweikammersystem. Und noch ein Wort: Man hat hier von Defaitismus gesprochen. Defaitisten sind wir nicht. Wir glauben fest an den Judenstaat und an die Macht der gerechten Sache. Und 130