Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 126 (sequence 168)
- Language
- German, English, Hebrew
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5. Sitzung: Generaldebatte vor einer wichtigen Versammlung, bei der die fremde Presse und die Konsulate vertreten sind, und er erklärt: „Die politische Lage in Palästina ist gut genug, um eine jährliche Einwanderung von 25.000 Menschen zu ermöglichen — wenn wir nur das Geld hätten!" Was muß sich nun der Mann auf der Straße, der Durchschnitts-Engländer, und wäre er unser bester Freund, sagen? Er muß sich sagen: Wir Engländer haben alles getan, aber der Shylock, der geizige Jude, der ist schuld — er hat das Geld nicht gegeben. (Lebhafter Beifall.) Das hat gar nichts mit der Frage zu tun, ob das jüdische Volk tatsächlich seine Pflicht Palästina gegenüber erfüllt hat. Ich bin der letzte, der das behaupten würde. Ich habe den ersten Keren Hajessod-Aufruf mit unterschrieben. Wir haben uns damals an das jüdische Volk gewendet und 25 Millionen Pfund für Palästina gefordert. Das jüdische Volk hat uns diese Summe nicht gegeben. Für mich heißt das also, das jüdische Volk hat seine Pflicht gegenüber Palästina nicht erfüllt. Aber gegenüber 72.000 Immigranten? Es gibt doch gewisse Proportionen in der Welt! Griechenland hatte seit dem Jahre 1923 eine große Zahl von Flüchtlingen anzusiedeln. Von den 1,400.000 Flüchtlingen war mindestens eine Million nach der bekannten Smyrna-Katastrophe vollständig mittellos. Lesen Sie jetzt den Bericht der Ansiedlungs-Kommission des Völkerbundes, in dem gesagt wird: Wir haben diese Frage geregelt, die Ansiedlung hat 15 Millionen Pfund gekostet. Man wird sagen, daß in Palästina eine Ansiedlung teuer ist. Gut, zweimal, viermal teurer — aber doch nicht zwanzigmal teurer! Zehn Millionen jüdischen Geldes, sagt Präsident Weizmann selbst, sind in den sieben Jahren nach Palästina gekommen. Ist das wirklich eine so karge Mitgift für 72.000 Immigranten, daß wir in diese schreckliche Krise hineingeraten mußten? Von offizieller Seite wird immer den Gehirnen eingehämmert: Verschuldet haben alles die Juden. Was will man denn von dem Engländer, der doch nicht päpstlicher sein kann als der Papst, wenn ihm die Zionisten erklären: Die englische Eegierung hat nichts verschuldet, die politische Situation ist befriedigend. Es bleibt ja dann gar keine Möglichkeit, etwas zu fordern. Es ist bei gewissen Leuten zu einer Psychose geworden, immer die Schuld von der schuldigen Seite zu nehmen und sie auf uns zu laden. An demselben Tage, wo Kosoff im Namen der jüdischen Industriellen bei Symes interveniert hat, kamen die europäischen Zeitungen mit dem berühmten Interview des Herrn Dr. Weizmann, worin er sich bezüglich der Industrie und ihres Schutzes das berühmte Bild leistete von dem Juden aus Snipischek, der nach Palästina kommt, dort eine Fabrik eröffnet, wo er schlechte Knöpfe erzeugt, und gleich den Schutz 126