Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 116 (sequence 158)
- Language
- German, English, Hebrew
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4. Sitzung: Generaldebatte sieren. Der Gegensatz zwischen den beiden Teilen wird immer schärfer und schärfer. Weizmann hat zu wählen, mit wem und gegen wen er geht, mit Links gegen Eechts oder mit Rechts gegen Links, mit der Hitachduth gegen Eth Liwnoth oder mit Eth Liwnoth gegen Hitachduth. Beide können nicht mehr zusammengehen, oder bloß durch den persönlichen Einfluß des Präsidenten Weizmann, durch die Meinung, daß er der einzige ist, der führen kann, und keiner außer ihm da ist in der Welt. Damit geraten wir in einen Sumpf, wir bekommen Kongresse, die keine Exekutive wählen können, wie der vierzehnte Kongreß. Ich weiß nicht, was Weizmann heute wählen wird. Seine Programmrede läßt jede Klarheit in dieser Hinsicht vermissen. Ich kenne seine Sympathien, aber Sympathien sind eine Sache und politische Fakten eine andere. Wenn man Lobgesänge für die Arbeiter anstimmt und zugleich eine Exekutive von drei sogenannten „Unparteiischen" vorschlägt, dann erweckt man wenigstens den Verdacht, daß die Lobgesänge nicht mehr sind als eben Lobgesänge. Fakten wiegen schwerer als alle Komplimente. Die Linke hat nicht den Mut gefunden, gegen die „Ugoda"-Politik der Leitung zu sein. Sie könnte diese Politik zerstören, wenn sie nur wollte. Sie meint, daß die Menschen, welche kommen werden, die Mittel vergrößern, aber keinen Einfluß auf die Gestaltung der Dinge haben werden. Das ist ein schwerer Irrtum. Die Arbeiter werden zu Objekten der Kolonisation herabgedrückt werden, während sie jetzt Subjekte und freie Bürger in unserer Arbeit sind. Zum Schluß noch eine Bemerkung. Man sagt uns: Ihr kritisiert, Ihr beweist, daß der Weg, den man geht, falsch ist. Welchen anderen Weg schlagt ihr vor? Wir schlagen vor den Weg zionistischen Kampfes, um das jüdische Volk zu gewinnen, den Weg, Machtpositionen im jüdischen Leben zu schaffen, sich auf die Arbeit zu stützen, die jüdischen Massen zu produktivieren. Der Zionismus muß, als Renaissance-Bewegung, wie ein Sturmwind durch das jüdische Leben brausen. Er wird die Luft reinigen, alles neu schaffen, das Verfaulte zerstören, die Alten, die Vertreter der Sklaverei gegenüber den Geldmagnaten im jüdischen Leben beseitigen. Man fragt uns: „Wen habt Ihr? Nennt Namen; einen Führer müssen wir haben." Denn die Unzufriedenheit in unseren Reihen ist ungeheuer groß, keine Gruppe ist zufrieden, jede Gruppe sehnt sich nach Aenderung. Nur sagt man sich: „Was kann man tun? Wir haben niemanden, der die heutigen Führer ersetzen könnte." Weizmann hat einmal gesagt, er sei ein Sklave der Bewegung. Ich glaube anders sagen zu müssen: Die Bewegung ist ein Sklave Weizmanns geworden. 116