Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 115 (sequence 157)
- Language
- German, English, Hebrew
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Grünbaum von der man spricht, werden die Massen nicht verstehen und nicht zugeben wollen. Sie werden einfach sagen, die Zionisten können nicht, sie haben keine Möglichkeit, sie führen schlecht. Sie werden zu dem Schlüsse kommen: es ist gar nichts, es wird gar nichts daraus. Wir brauchen Beispiele von Anstrengung, Aufforderung zu verstärkter Anspannung, wir müssen neuen Glauben einflößen, einen neuen Kurs einschlagen, von dem man sogar in der Hitachduth schon träumt. Geistige Erziehung ist notwendig, erzieherischer Kampf um den Zionismus, nicht TJgoda-Politik! Kampf und Ugoda sind zwei Begriffe, die einander vollkommen widersprechen. Unsere Finanzpolitik ist von Menschen geführt worden, welche die ganze Zeit über Wirtschaftlichkeit gepredigt haben, die als finanzielle Genies, als Erlöser auf finanziellem Gebiete betrachtet werden wollten. Der gegenwärtige Zustand beweist, daß alles falsch war. Diese Leute haben die Führung der Finanzen in die Hände bekommen und haben es zu dem heutigen Bankrott gebracht. Vorsitzenders Das Wort Bankrott gehört nicht auf den Kongreß, ich ersuche es zurückzunehmen! Del. Grünbaum (fortfahrend): Es bezieht sich nicht auf die Arbeit, nicht auf den Zionismus, sondern auf die Menschen, die mit Phrasen von Wirtschaftlichkeit zu uns gekommen sind und uns in den heutigen Zustand hineingebracht haben. Jetzt suchen sie den Schuldigen, finden ihn auch — selbstverständlich auf Seiten der Schwachen — der Arbeiter. Man spricht von Arbeiterwirtschaft, sogar Arbeiterdiktatur und damit erklärt man alles: die Krisis, die finanziellen Kalamitäten. Wir, meine Freunde und ich, sind der Meinung, daß der Zionismus, daß Erez Israel nur aufgebaut werden kann durch jene, die das Land mit ihrem Schweiß und ihrer Arbeit erobern und beleben. Es ist mit den größten Kapitalien nicht zu bauen, wenn wir uns nicht auf die Arbeit stützen werden. Im besten Falle werden wir dann in Palästina dieselbe Rolle spielen, wie in jenen Golusländern, wo wir ökonomische Kraft und Einfluß haben. Ich glaube, niemand wird sagen, daß das für Palästina genügen kann. Weizmann steht zwischen zwei Feuern, dem von rechts und dem von links. Bisher ist es ihm gelungen, beide Seiten zu verbinden. Seine wirtschaftliche Politik ist der Linken zugeneigter, seine innere jüdische Politik aber ist der bürgerlichen, balebatischen Psychologie und den balebatischen Bestrebungen angepaßt. Die Verbindung dieser beiden Momente kann aber nicht weiter aufrechterhalten werden, ohne die Organisation zu demorali- 8* 115