Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 114 (sequence 156)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3476254-3476284--6599-3482746- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
4. Sitzung: Generaldebatte Wenn wir sagen, allein werden wir niemals Erez Israel aufbauen können, so heißt das, daß wir nicht an den Zionismus glauben und an den Sieg der zionistischen Wahrheit. Einer der Führer einer leitungstreuen Gruppe im Kongresse hat gesagt, daß er die Existenzberechtigung der Nichtzionis t e n ebenso anerkennt wie die der Zionisten. Diese Äußerung ist bezeichnend für die Psychologie jener Zionisten, die in dem Bündnis mit den Nichtzionisten die einzige Erlösung sehen. Wenn ein gläubiger Mensch die Existenzberechtigung eines andersgläubigen anerkennt, so glaubt er nicht an seinen Gott. Wenn ein Sozialist die Existenz des Kapitalismus bejaht, so ist er kein Sozialist. Die Nichtzionisten haben nach unserer zionistischen Anschauung keine Existenzberechtigung im jüdischen Volke. Wir sagen doch, daß sie blind und taub sind, wir wollen ihnen doch die Augen öffnen und die Ohren aufschließen. Aber, sagt man, wir brauchen große Mittel. Deshalb müssen wir die Nichtzionisten um jeden Preis heranziehen. Nun sagt Präsident Weizmann: Noch zwei, drei Jahre müssen wir die finanziellen Schwierigkeiten allein tragen. Das bedeutet, daß wir auf eine baldige Vergrößerung unserer Mittel auf diesem Wege nicht rechnen können. Woher kommt aber die Sicherheit, daß diese Lage nur zwei, drei Jahre dauern wird? Wir kennen die Lage und wissen, welche Verpflichtungen jene Kreise, die die Jewish Agency mitkonstituieren sollen, gegenüber anderer jüdischer Arbeit haben und wie groß ihre Möglichkeiten sind. Wozu macht man sich neue Illusionen? Uebrigens haben wir gesehen, daß dieselben Kreise in einem anderen Falle ganz anders gehandelt haben. Sie haben sich mit ihren Partnern an einen Tisch gesetzt und haben einfach über Geld verhandelt, zu dem sie sich verpflichteten, ohne von Frieden und Idealen zu sprechen. Und jene Partner sind doch von ihnen sozial so weit entfernt! Das beweist doch etwas! Präsident Weizmann hat ein Budget von 225.000 Pfund vorgeschlagen. Ich habe mich gewundert, wie man mit einem solchen Budget zu einem zionistischen Kongresse kommen kann. 225.000 Pfund für die ganze Aufbauarbeit in Palästina! Die Leitung wäre viel größer erschienen — ich wähle absichtlich dieses Wort, um nicht zu kränken — wenn sie gekommen wäre und gesagt hätte: ..So ist die Lage, wir können nicht führen, wir gehen weg." Ehrlich und offen hätte sie das sagen müssen. Mit 225.000 Pfund kann man die Aufbauarbeit in Palästina nicht führen. Das ist kein Budget. Die Wirkung eines solchen Budgets auf die jüdischen Massen wird eine fatale sein. Man wird jede Hoffnung verlieren und nirgends die nötigen finanziellen Anstrengungen machen wollen. Die Atempause, 114