Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 112 (sequence 154)
- Language
- German, English, Hebrew
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4. Sitzung: Generaldebatte Gelgenheit gehabt, eine Eede des Präsidenten Weizmann fcu hören, in der fast nur vom Warten gesprochen wurde: man müsse warten, man müsse Geduld haben, man könne nichts überstürzen, man müsse warten, warten und warten. Auf dem vierzehnten Kongreß habe ich mich abermals mit der inneren Politik unserer Leitung beschäftigt und auf sie das Wort aus dem polnischen politischen Jargon „U g o d a" angewendet- Herr Dr. Weizmann hat es mir sehr übel genommen, war fast beleidigt. Nun, was ist die Abmachung mit Mars hall, wenn nicht eine Ugoda im schlimmsten Sinne dieses Wortes*? In Amerika hat man das mit dem Worte „Frieden", „Sehaloni", bezeichnet. Glücklicherweise waren nicht alle unsere amerikanischen Freunde mit diesem Frieden zufrieden. Ein einflußreicher zionistischer Journalist in Amerika hat ihn mit dem Versailler Frieden vei glichen und sich damit getröstet, daß nach diesem Versailles ein Locarno kommen werde. Nun, der Frieden von Versailles war ein aufgezwungener, unser Frieden aber war ein geistiges Versailles. Wenn man Frieden schließt, obwohl man vom Gegner nicht geschlagen ist, nur weil man das Vertrauen in sich, die Hoffnung auf den endgültigen Sieg verloren hat, wenn man für diesen Frieden den teuersten Preis bezahlt und dafür nichts als Versprechungen, als die Möglichkeit weiterer Verhandlungen bekommt, dann ist das eine „Ugoda" im schlimmsten Sinne. Wir haben für diesen Frieden einen doppelten Preis gezahlt. Erstens hat man unsere amerikanischen Freunde desavouiert. Diese hatten gerade ein glänzendes Jahr hinter sich, nicht nur in bezug auf Geldsammlungen, sondern insbesondere in bezug auf zionistische Agitation und Erziehung. Zum ersten Male ist damals in Amerika das Problem der Priorität Erez Israels als des Landes, wo das jüdische nationale Heim gebaut werden soll, aufgeworfen worden. Zum ersten Male hat man in Amerika die Leute für ein zionistisches Prinzip zu gewinnen versucht und nicht ohne Erfolg. Die Gegner waren bereits wankend, fühlten sich schon so gut wie geschlagen. Dr. Weizmann kam nach Amerika, bekam Angst und beeilte sich, den Frieden gegen den Willen der amerikanischen zionistischen Organisation mit dem niedergeschlagenen Gegner zu schließen. Er unterschrieb einen Brief, in dem er sich fast entschuldigte für die zionistische Organisation Amerikas, die gewagt hatte, den Kampf um die Priorität Palästinas mit den nichtzionistischen Kreisen aufzunehmen. Er desavouierte diesen Kampf. Es hat sich noch nie in der Geschichte des Zionismus ereignet, daß der Präsident der Zionistischen Organisation eine große zionistische Landesorganisation 112