Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 111 (sequence 153)
- Language
- German, English, Hebrew
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Grünbaum Palästina. Warum decken unsere Präsidenten diese Politik! Ist das denn ihre Politik, identifizieren sie sich mit dieser Politik? Sie sind doch unsere Vertreter, sie kommen doch mit unserer Kraft und in unserem Namen und stellen Forderungen an diejenigen, die die Macht haben, die Verpflichtungen auf sich genommen und uns Versprechungen gemacht haben. Und doch tun sie so, als wären sie nicht unsere Vertreter, sondern die der anderen uns gegenüber. Warum stellen sie sich zwischen uns und die Eegierung, was zwingt sie dazu? Warum sind wir genötigt, mit ihnen jenen politischen Kampf zu führen, den sie in unserem Namen und gestützt auf unsere Kraft führen sollten? Ich glaube mich nicht zu täuschen, wenn ich sage, daß in dieser Hinsicht in der ganzen Zionistischen Organisation eine einheitliche Stimmung herrscht. Keine Gruppe ist mit dem außenpolitischen Kurs zufrieden, der durch unseren Präsidenten geführt wird. Wir haben in dieser Hinsicht schwerwiegende Worte des Vertreters der amerikanischen Zionisten, Dr. Wise, gehört. Klar und deutlich hat er gegen die Zustände auf dem politisch-rechtlichen Gebiet in Palästina Stellung genommen. Mit ganzer Kraft hat er eine prinzipielle Aenderung gefordert. Es wird in der letzten Zeit auch eine politische Aufklärungsarbeit in verschiedenen Ländern geführt, aber auch sie bleibt vereinzelt wie jene in Palästina und wird nicht durch eine große initiative politische Arbeit zusammengefaßt. Daher ist ihr Wert sehr gering und kann keine entscheidende Bedeutung haben. Umsonst sind die Beruhigungsversuche unserer Präsidenten. Sie wirken nicht mehr auf die Zionisten, auf das jüdische Volk. Die Zweifel werden immer stärker und mindern die Kampflust, die Opferfähigkeit und den Glauben an den Erfolg. Unsere Führer laufen Gefahr, daß das Volk sie mit der Mandatarmacht identifizieren und zu ihnen dasselbe zweifelhafte Vertrauen haben wird, das es jetzt der Mandatarmacht entgegenzubringen beginnt. Nun die innere Politik! Auf dem dreizehnten Kongreß habe ich gegen den innerpolitischen Kurs gesprochen, den Präsidenten Weizmann mit so viel eigensinniger Kraft zu führen begann. Dr. Weizmann hat mir darauf geantwortet: „Herr Grünbaum kann warten, aber der Zionismus kann nicht warten." Mit diesen Worten hat er mich erschlagen, abgeschlachtet, diese Worte gingen in die Welt und wurden auf jeder zionistischen Versammlung wiederholt. Das Volk wurde beherrscht von dem Gedanken, daß die Agencypolitik unsere Mittel ganz schnell bedeutend vergrößern und uns so vom Warten befreien würde. Nun habe ich vor nicht langer Zeit III