Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 110 (sequence 152)
- Language
- German, English, Hebrew
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4. Sitzung: Generaldebatte nalen Heimes, das im Wachsen begrifen ist, und der, ich möchte sagen, quietistisohen Politik der palästinensischen Eegierung, die vor allzu großen Aenderungen zurückschreckt. Diese Kleinarbeit, sage ich, kann nicht mit Erfolg geführt werden, wenn hinter ihr nicht gleichzeitig eine großzügige initiative politische Arbeit vom Zentrum in London vor sich geht. Denjenigen, die der Maschinerie unserer Bewegung näherstehen, ist es kein Geheimnis, daß die politische Arbeit, die im Zentrum des britischen Imperiums geführt wird, beinahe gleich null ist. Unsere Führer versinken so tief in die Verhandlungen mit den jüdischen nichtzionistischen Kreisen, daß sie sich der eigentlichen außenpolitischen Arbeit nur von .Fall zu Fall widmen können. Unser Präsident, dem wir die Führung der Politik anvertraut haben, sitzt gar nicht dort, wo die große politische Arbeit geleistet werden müßte. Er kommt dorthin fast wie zu Besuch. Und so ist unsere politische Kleinarbeit gewissermaßen verwaist, ist ohne Hilfe und Stütze von jener Seite geblieben, von der sie die größte Hilfe erwarten durfte. Die palästinensische Eegierung sieht ruhig und kalt zu, wie wir mit den schwersten Bedingungen im Kampfe um den Aufbau von Volk und Land ringen. Ein solcher Fall steht beispiellos in der Geschichte da: Ein Volk, das keine Macht hat jemanden zu zwingen, das auf den freien Willen seiner Söhne angewiesen ist, das jeden Groschen aus dem freien Willen des Gebenden erhält, ein solches Volk soll ein Land aufbauen. Man hat uns diese Möglichkeit gegeben, man hat uns gesagt: „Lauft, der Weg ist offen." Das ist aber nicht alles, was uns zukommt, nicht alles, wozu man uns gegenüber verpflichtet ist. Wenn eine Eegierung helfen will, wenn sie wirklich die nötigen Vorbedingungen zu schaffen bereit ist, dann findet sie auch die Mittel und Möglichkeiten dazu, dann bleibt sie nicht neutral, dann schaut sie nicht müßig zu, ob wir im Laufen das Ziel erreichen oder nicht. Wir kennen ein Land, wo dies in der Wirklichkeit geschieht, wo sich deshalb die Kolonisationsarbeit ungestört in dem größtmöglichen Maßstab entwickelt. Dr. Weizmann und Sokolow halten es für ihre Pflicht, uns immer zu beruhigen, daß die politische Lage gar nicht so schlecht sei. Aber ich frage: Worauf sollen wir dieses Zutrauen stützen, auf welche politischen Tatsachen? Man sagt, es sei zwar nicht alles, aber doch Einiges erreicht worden. Man weist auf Gesetze und Verordnungen hin, die nach langem Kampfe erwirkt wurden, aber bei weitem nicht unseren gerechten Forderungen entsprechen. Aber, tröstet man sich, immerhin ist etwas da. Das ist eine Galuth-Mentalität, so können wir im Galuth sagen. Auf dieses „Etwas" können wir aber unser . Zutrauen auch im Galuth nicht basieren, geschweige denn in 110