Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 109 (sequence 151)
- Language
- German, English, Hebrew
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Kaznelson, Grünbaum jetzt zu beschränken, sündigt nicht nur gegen die sozialen Interessen der Arbeiter, sondern sie übersieht all das, was die Organisierung der Arbeiter unserem nationalen Werke gegeben hat. Sie beschränken, heißt so viel, wie die großen Energien der Arbeitermassen in Erez Israel beschränken. Eationalisierung beruht nicht auf einer Eeihenfolge von Konferenzen, Kevisionen und jedes halbe Jahr wiederholtem Wechsel der Fachleute. Sie beruht auf der Stetigkeit der Arbeit. Man muß die Nerven der arbeitenden Menschen schonen. Wir brauchen eine Stabilisierung in der Führung der Geschäfte für ein paar Jahre. Ihr habt zu wählen: Erez Israel mit der aktiven Teilnahme der Arbeiter aufzubauen oder ohne sie zu arbeiten. Meine Hoffnung ist, daß Gewissen und zionistisches Verständnis Euch den Weg weisen werden. (Lebhafter Beifall.) Del. Izehak Grünbaum (Polen, Eadikal — jüdisch): Geehrter Kongreß! Ich kann mich eines Eindruckes nicht erwehren, dem sich wohl auch sehr viele Mitglieder des heutigen Kongresses nicht entziehen werden: Es ist das Gefühl, daß in den Programmreden unserer beiden Präsidenten eine gewisse Müdigkeit, eine gewisse Gequältheit zum Ausdrucke gekommen ist. Man ist mit dreißig Jahren noch nicht so alt, daß sich eine solche Müdigkeit in jedem Satze fühlbar machen müßte. Gewiß, wir sind reich an Erfahrungen, an „Zoroth", aber jene, die die ungeheuere Verantwortung auf sich genommen haben, diese große Bewegung des jüdischen Volkes zu führen, dürfen auch nicht für einen Augenblick den Glauben an die Kraft der Bewegung verlieren, an deren Spitze zu stehen sie die Ehre haben. Ein Führer, der den Glauben an die Kraft der Bewegung, an deren Spitze er steht, verliert, hört in demselben Momente auf, Führer zu sein. (Lebhafte Zustimmung.) Dieser Glaube stammt aus dem Gefühle, daß die Kraft der Bewegung steigt und steigen muß, weil die Bewegung die Wahrheit verträgt, jene Wahrheit, die durch das Leben bestätigt wird. Wenn wir die äußere und innere Politik unserer Leitung betrachten, dann kann man sich dem Eindruck nicht entziehen, daß unsere Leitung von dem Zweifel an der Kraft der zionistischen Bewegung befallen ist, von dem Zweifel an der Möglichkeit, daß die zionistische Wahrheit einmal das ganze Volk erobern wird. Präsident Weizmann hat uns gesagt, daß die Zeit der politischen Sensationen vorbei ist. Heißt denn das, daß auch die Zeit einer großzügigen initiativreichen Politik verschwunden ist? Es ist wahr: wir sind in das Stadium politischer Kleinarbeit eingetreten, die tagtäglich in Erez Israel geführt werden muß und die notwendig wird durch den Gegensatz zwischen den Bedürfnissen des jüdischen natio- 109