Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 100 (sequence 142)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3476254-3476284--6585-3482732- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
3. Sitzung: Generaldebatte unerschüttert dastehen. Unsere landwirtschaftlichen Siedlungen stehen so gut, wie sie noch nie gestanden haben. In diesem Jahre sind die ersten acht Kolonien als „self-supporting" aus dem Budget der Zionistischen Organisation ausgeschieden. Die Plantagenkolonien, besonders in der Orangenzone, blühen wirtschaftlich wie nie zuvor. In diesen Plantagenkolonien arbeiten heute ungefähr 5000 jüdische Arbeiter. Man redet davon, daß heute in Tel-Awiw, das unsere schlechteste Position ist, 3000 Arbeitslose sind, aber heute, auf dem Tiefpunkte der Krisis, beschäftigt dieses Tel-Awiw beinahe 6000 Arbeiter. Wir hätten vor einigen Jahren niemals geglaubt, daß in einem solchen Tiefpunkt der Krisis Tel-Awiw ein Arbeitsreservoir für 6000 Menschen bieten werde. Wir sollen nicht aus dem Gleichgewicht kommen, sondern unsere Position objektiv abwägen. Es gibt kein Vorwärts für uns, ohne daß die Arbeitslosigkeit einer halbwegs erschöpfenden Lösung zugeführt wird. Auf dem Wege dazu sind folgende Grundsätze festzustellen: Es muß der Kurs auf den Abbau der Arbeitslosenunterstützung angenommen werden. Niemand hat sie gewollt, die Arbeiterschaft hat sich mit aller Gewalt gegen sie gewendet. Dieser Abbau ist nur dadurch möglich, daß wir unsere ganze Arbeitslosenpolitik produktivieren. Weizmann hat in seiner heutigen Ansprache, die mit Recht auf diese Frage ein besonderes Gewicht gelegt hat, einige der Grundsätze angedeutet: Bereitstellung ganz bestimmter Arbeiten in dem Budget, Vorwegnahme von Bauten in den Siedlungen, die notwendig sind, Kleinkolonisten der Landarbeiter um die Plantagenkolonien herum, dazu kommt die Inangriffnahme der Orangenkolonisation auf Grundlage der jüdischen Arbeit unter mancherlei Formen. Auf all diesen Wegen werden wir planmäßig die Frage der Arbeitslosigkeit allmählich der Lösung näherbringen. Wir dürfen nicht den Eindruck entstehen lassen, als ließen wir uns hinter den Zuständen herschleifen. Es muß ein ganz bestimmter Plan für ein oder zwei Jahre geschaffen werden, das Bewußtsein muß gegeben sein, daß wir hier nicht planlos kreuz und quer handeln, sondern systematisch einen Zustand beständiger Arbeit, feste Erwerbsquellen für Menschen, die sich selbst erhalten, zu schaffen beabsichtigen. Unsere Situation ist furchtbar durch den Widerspruch zwischen unseren konstruktiven Entwürfen und den realen Möglichkeiten. Ich denke an die Schlacht von Platää. Der eine Teil der kämpfenden Heere wurde besiegt, weil er den ganzen 100