Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 135)
- Language
- German, English, Hebrew
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Arlosoroff und Palästina unter türkischer Herrschaft ein wirtschaftliches, ein administratives Gebiet waren. Jede Maßnahme, welche Syrien betrifft, ist von einschneidendem Interesse für die palästinensische Landeswirtschaft. Ich kann mir nicht vorstellen, daß die Jewish Agency erst nachträglich, erst als Instrument des Unwillens der Bevölkerung, eingreifen sollte bei der Behandlung dieses wichtigen Problemes. Was unsere wirtschaftliche Politik gegenüber der Mandatarmacht anbelangt, so wird immer wieder die Frage des Steuersystems aufgerollt, immer wieder z. B. Steuerbefreiung der Neusiedler gefordert. Ich bin überzeugt, daß wir in dieser Beziehung nur deswegen noch keinen Schritt vorwärts gekommen sind, weil auf dem Gebiete der wirtschaftlichen Politik überhaupt in London und in Palästina eine systematische politische Arbeit unserer Exekutive nicht geführt wird. Noch einen Blick außerhalb des Landes! Ich weiß genau, daß die politische Front, welche wir zu halten haben, viel länger ist als unsere Kräfte reichen. Jeder Mensch, der jüdische oder zionistische Politik treibt, treibt ja Weltpolitik, und die weltpolitische Front zu halten mit dem Einsatz der Kräfte, welche wir haben, ist eine schwere Aufgabe. Dennoch müssen wir auch hier auf offensichtliche Lücken hinweisen. Eine solche Lücke ist unsere Position in der Hauptstadt der Vereinigten Staaten. Der Bericht der Exekutive spricht wohl von den beiden Empfängen des Präsidenten unserer Organisation, wir können ihm aber nicht entnehmen, daß wir in Washington eine feste politische Organisation geschaffen haben. Dennoch kann nicht verborgen bleiben, daß diese Position in Washington unter weltpolitischem Gesichtspunkte für uns von immer weiter tragendem Interesse werden muß. Ich bin der Meinung, daß dieser Kongreß die Exekutive darüber befragen und ihr raten sollte, auch diesem Punkte die allerernsteste Aufmerksamkeit zu widmen. Ich sehe meine Aufgabe in der Generaldebatte nicht nur in der Kritik der Exekutive, sondern auch in Selbstkritik der Bewegung, auch auf dem Gebiete der Außenpolitik. Ich meine, es gibt viele Zeichen dafür, daß im Verlaufe der letzten Jahre die außenpolitische Disziplin der Zionisten in einem rapiden Schwinden begriffen ist. Das ist eine Erscheinung, der man ernste Aufmerksamkeit zuwenden soll. Wir sind gewohnt, auf die Zionistische Organisation quasi als eine staatliche Organisation zu sehen. Wir sind kämpfende Parteien, die quasi um die Staatsmacht innerhalb des Staates kämpfen. Wir haben aber innerpolitische Kampf- 93