Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 89 (sequence 131)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476284--6574-3482721- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Berlin das Geld, das in Palästina war, verstand die Leitung nicht festzuhalten. Die Leitung hat die Mensehen der vierten Alijah nicht zu halten vermocht, sie hat für diese Menschen nichts getan, und dieses ihr Verhalten rührt letzten Endes von dem Fehlen einer originalen jüdischen Anschauung her. Der Misrachi steht nicht, wie immer wieder behauptet wird, in einem Gegensatz zur Arbeit und zu den Arbeitern. Hat doch der Misrachi eine große Anzahl von Ohaluzim in seiner Mitte, die Poale Misrachi. Der ganze Misrachi liebt und schätzt die körperliche Arbeit, er bewundert die großen Opfer, die die Arbeiterschaft bringt. Aber man kann unser Volk nicht auf den Haß und auf den Kampf der Klassen gegeneinander aufbauen. Die Hilfe muß von allen Seiten kommen, wenn Palästina aufgebaut werden soll. Während die Exekutive Institutionen mit Geldern des Keren Hajessod ungesetzlich versorgt hat, wie zum Beispiel die Kehiliath Zion in Amerika, woraus ich der Exekutive keinen Vorwurf mache, bleibt die Frage offen, warum man die Bank für Handel und Gewerbe nicht gerettet und die Menschen des Mittelstandes im Stich gelassen hat. Als weiterer Beweis für den Schaden, den die Herabminderung des Budgets unserer Arbeit bringt, diene die Kürzung des Schulbudgets. Wenn wir für Erziehung nicht das geben, was nötig ist, so geben wir die Erziehung aus unserer Hand. Wir sind gegen das jetzige Erziehungssystem und ganz besonders gegen das der Waadat Hatarbuth; wir halten es für einen Fehler, daß es drei verschiedene Systeme der Erziehungsarbeit gibt. Die jüdische Seele wird durch die unreligiöse Erziehung preisgegeben. Es ist soweit gekommen, daß wir jüdische Kinder haben, die nicht nur den Glauben, sondern auch den jüdischen Nationalismus verleugnen. (Unruhe links.) Ich brauche bloß auf die Vorgänge in Bechowoth hinzuweisen. (Heftige Zwischenrufe.) Diese Erziehung raubt jedes Gefühl für die Werte des Judentums, sie entwurzelt die Kinder. Es ist so weit gekommen, daß man die Feiertage öffentlich entweiht. (Nach links gewendet:) Es ist mir bekannt, daß viele verantwortliche Arbeiterführer dagegen waren, aber sie konnten den Samen, den sie selbst ausgestreut haben, nicht wieder unschädlich machen. In den Kolonien des Keren Kajemeth wird Haß gegen den Keren Kajemeth und die nationale Idee genährt. Es geschehen im Geheimen arge Dinge. (Zwischenrufe: Konkrete Fälle!) Beth Alfa! Wenn wir aus dieser Krise herauskommen wollen, müssen wir die Grenzen erweitern, auch die Grenzen der Ideologie. 89