Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 81 (sequence 123)
- Language
- German, English, Hebrew
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Sokolow Einschätzung des Juden. Das ist es, was Herzl geahnt hat, was er vielleicht nicht in Einzelheiten gesehen, aber was er unter der Schwelle seines Bewußtseins richtig gefühlt hat, als er prophezeite, daß der Zionismus die einzige Lösung der Juden frage sei. Als man uns in den ersten Jahren des Zionismus fragte, wie der Zionismus die Judennot lösen wolle, in ihrem ganzen materiellen Jammer, in ihrem Martyrium, da waren wir, und ich gestehe es hier an dieser Stelle, um eine klare Antwort verlegen. Die Antwort war tief verborgen in der Entwicklung der Zeit. Jetzt ist diese Antwort hervorgekommen, jetzt ist sie konkret geworden, jetzt kann man sie greifen. Die Judenfragewirdgelöst durch eine ganz andere Anschauung der Welt über die Juden und ihr Wesen. Es ist ja schwer, ein so anormales Volk zu verstehen. Man kann uns nur verstehen, wenn wir menschenähnlich werden, und menschenähnlich wird man nur, wenn man ein Volk ist (Beifall). Wenn man als Mensch frei sein will, muß man als Mensch Volk sein. (Bravorufe.) Das ist eigentlich die Morgenröte des Verständnisses des Juden in der Welt. Palästina baut das jüdische Volk auf, rettet die Juden und löst die Judennot. Es erlöst uns und es erlöst die Welt von dem Vampyr des Judenhasses, der sie dazu gebracht hat, ihre eigene Lehre, die Lehre der ursprünglichen christlichen Liebe in ihr Gegenteil zu verkehren. So hilft man der Welt, sich zu reinigen von dem Makel des Antisemitismus und den Juden gegenüber gerecht und menschlich zu werden. Wenn die günstige Stimmung in der Welt im Wachsen begriffen ist, sollen wir noch um das bißchen Geld verlegen sein? Man sprach oft davon, daß ein Staat Bankrott gemacht hat. Wir können das nicht, wir sind kein Staat und ein Volk bankrottiert nicht. Wir haben keine Naturkrise, wir haben eine schwere Periode finanzieller Sorgen und über diese müssen wir hinwegkommen. Ist das jüdische Volk, begleitet von den großen Sympathien der ganzen Welt, im Stande, diese Werk fortzuführen und es zu entwickeln? Ich habe Vertrauen zu unseren Brüdern, 6 81