Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 80 (sequence 122)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476284--6565-3482712- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
2. Sitzung: Politischer Berieht hat man unsere Reden nicht verstanden. Als die Reden von Herzl und Nordau gehalten wurden, hat man sie nicht gewürdigt, hat sie kaum gelesen. Man hat gesagt: es sind schöne Reden, aber es gibt noch andere wichtige Projekte in der Welt, und man hat nicht für alles Zeit. Jetzt hört man, jetzt versteht man unsere Reden in der großen Welt. Aber die Reden allein hätten nicht geholfen. Es ist der Kommentar, den wir zu unseren Reden geliefert haben, der sie verstehen lehrt, und dieser Kommentar heißt: Palästinaarbeit. Es ist wie ein Märchen und ein Faktum zugleich. Es ist das Märchen von den neuauferstandenen Juden. Aus dem Ghetto- oder Emanzipationsjuden ist ein Erez Israel-Jude geworden. Was hat man von den Diasporajuden gedacht? Man braucht nur ein beliebiges Wörterbuch aufzuschlagen, um zu sehen, was man von den Juden für eine Vorstellung hatte. Im besten Falle war er ein Krämer, war er reich geworden, wurde er Bankier, der intellektuelle Jude wurde als Eindringling empfunden. So war der allgemeine Begriff. Wir haben ihn umgedreht. Nun ist der Jude ein Normalmensch, ein Arbeiter, ein Ackerbauer; das wird nicht nur erzählt, es kann gesehen werden, und es gehen Menschen nach Erez Israel, um dieses Wunder zu sehen. Und sie kommen zurück und verkünden das Wunder. Ich sprach in Paris mit Professor Gide, dem wir in Palästina anläßlich der Eröffnung der Universität begegnet waren. Ich fragte ihn, ob er für unsere Sache noch etwas geleistet habe. „Ja, sagte er, ich bin zu alt, ich kann nicht viel leisten, aber ich kann darüber nicht genug in der Oeffentlichkeit sprechen. Ich werde mit Fragen bestürmt, ob alles das wahr sei, man fragt mich nicht nach meiner Ansicht — Professor Gide hat wertvolle Ansichten über Palästina vom wirtschaftlichen Standpunkt — man fragt mich nach dem Wunder. Und ich kann nur bestätigen, daß die Wirklichkeit diese Erzählungen übertrifft.44 Oberflächliche Beobachter sind geneigt, das alles als Romantik, vielleicht als etwas Exotisches zu bezeichnen. Es ist eine Umwertung des Wertes: Jude. Es ist eine neue 80