Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 86)
- Language
- German, English, Hebrew
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1. Sitzung: Gedenkfeier für Achad Haam der Haltung und einer Wandlung des ganzen Menschen; oder, -vom Sprechenden aus gefaßt: es ist der Unterschied zwischen einer Forderung und einer Weisung; noch deutlicher: es ist der Unterschied zwischen einem Führer und einem Lehrer. Unsere Zeit will auf allen Gebieten den Lehrer los werden. Sie glaubt, mit dem Führer allein auskommen zu können. Und das ist zu verstehen. Jene „geistigen" Menschen, die in einer Stunde, in der Ungeheueres von der Selbständigkeit und Ueberlegenheit des Geistes abhing, die in jener Stunde den Geist, ohne zu wissen, was sie taten, zu einem geschickten und gehorsamen Hündlein machten, das den bestehenden Gewalten statt der hingeworfenen Parolen Ideologien apportierte, haben dazu beigetragen, den Geist, die weisende Funktion des Geistes am Leben zu diskreditieren. Anderes, Tieferes wirkte mit. Das Ergebnis ist, daß nicht bloß, was ja auch früher zuweilen geschah, die offizielle Politik der Staaten, sondern auch die inneren Bewegungen und Gruppierungen des Völkerlebens sich vielfach vom Geiste lossagen, ja in ihrer Unabhängigkeit von ihm die Bürgschaft des Erfolges erblicken. Und sie haben nicht ganz Unrecht. Führung ohne Lehre hat Erfolg: man erreicht etwas. Nur daß dieses Etwas, das man so erreicht, etwas ganz anderes und zuweilen geradezu eine Karikatur dessen ist, was man eigentlich, im Grunde seiner Seele, da wo die Wahrheit geahnt wird, erreichen wollte. Und was dann? Solange das Ziel noch reines Ziel war, herrscht Sehnsucht und Hoffnung; aber wenn im Erreichen das Ziel sich verkehrt hat — was dann? Gewiß ist das Volk unglücklich, das keinen Führer hat, aber dreifach unglücklich ist das Volk, dessen Führer keinen Lehrer haben. Seien wir uns tief bewußt, was wir an unseren Lehrern, was wir an einem Lehrer wie Achad Haam besitzen. Und lassen wir uns von ihm lehren! Ich gedenke der Herkunft dieses Mannes, wenn ich ein chassidisches Wort anführe: nach dem Tode des großen Rabbi Bunam kam sein Lieblingsschüler zu seinem trauernden 44