Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1927-01-01 · 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927 · p. Seite 45

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
Date
1927-01-01
Page
Seite 45 (sequence 87)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3476254-3476284--6530-3482677
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Buber Sohne, um ihn zu trösten; und als der Sohn fragte: Wer wird nun weiter mit mir lernen?, da antwortete der Schüler: Sei getrost; bisher hat er dich im Kaftan gelehrt, von jetzt ab wird er dich ohne Kaftan lehren. Lassen wir unseren toten Lehrer uns lehren, was er uns ohne Kaftan zu lehren hat. Verehrter Kongreß! Vielleicht ist jede nationale Bewegung die Uebersetzung einer religiösen, die freilich nicht eine Bewegung im modernen politischen Sinne war, sondern eben etwas, was sich in den Seelen bewegte und aus ihnen immer wieder in die Welt hinausstürmte. Mit anderen Worten: vielleicht ist jede Befreiungstendenz die weltliche Uebersetzung einer Erlösungstendenz. Von unserer nationalen Bewegung gilt dies auf jeden Fall, daß sie eine Uebertragung einer religiösen ist. Eine solche Uebertragung ist notwendig, weil wir ohne sie in der Welt der gegenwärtigen Tatsächlichkeiten nicht das vollbringen könnten, was wir zu vollbringen haben, um unsere Wirklichkeit nach unserer Wahrheit zu gestalten, nach unserer Wahrheit, die eben in jener religiösen Bewegtheit empfunden und auch geäußert worden ist. Diese Uebersetzung darf nicht allzu treu sein. Sie darf nicht Eigentümlichkeiten der religiösen Sprache in die nationale übernehmen; jede Vermengung wirkt hier verwirrend und verhängnisvoll. Andererseits aber muß diese Uebersetzung der Fülle und Kraft des Originals auf der nationalen Ebene gerecht werden. Und vor allem darf sie sich nie vermessen, das Original verdrängen, ersetzen zu wollen. Denn geschähe dies, so würden wir die wahre, letzte Aufgabe aus dem Sinn verlieren, und unser Vollbringen wäre ein Verfehlen. Die Uebertragung, von der ich sprach, ist für unsere Bewegung von Moses Heß begonnen worden. Aber er, der Spinoza mit Hegel und beide mit der konkreten jüdischen Religion zu verknüpfen unternahm, verfiel in seinem philosophischen Messianismus eben jener erwähnten Vermengung religiöser mit nationaler Sprache. Das Kommen der Erlösung kann durch keine Zahlenmystik errechnet 45

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.