Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 73)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3476254-3476284--6516-3482663- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Weil Rabbiner Dr. A. Weil, Basel (deutsch): Herr Präsident, hoher Kongreß! Wenn ich als Babbiner der Gemeinde Basel das Wort ergreife, um auch meinerseits diesen Jubiläumskongreß zu begrüßen, so wollen Sie mir dies bitte nicht als einen konventionellen Akt ausdeuten! Für mich bedeuten diese meine Worte mehr. Sie sind der tiefempfundene Ausdruck meiner Gefühle, vor allem der Ausdruck meiner großen Fremde, vor dieser hohen Versammlung meiner persönlichen Zionsliebe sowie der meiner misrachistischen Gesinnungsgenossen in der Schweiz Aussdruck verleihen zu dürfen. (Beifall.) Denn wer sollte sich über diese Versammlung mehr freuen als wir thoratreuen Juden? Wir, die wir jahraus, jahrein beten um Zion, wir, die wir leben in der geistigen Atmosphäre der Thora, wir, die wir glauben an die Verheißungen unserer Propheten, wir, die wir sehen in Zions Licht, wir, die wir aus Zion schöpfen die edelste und beste Kraft für all unser menschliches und jüdisches Tun, wir sollten uns etwa nicht freuen ob des erhebenden Anblicks, der uns die Einheit des jüdischen Volkes und seine vieltausendjährige Zionsliebe in so eindrucksvoller Weise dokumentiert! Wohl weiß ich, meine Damen und Herren, daß die Zionsliebe nicht bei allen unseren Brüdern in der gleichen Weise motiviert ist, wohl weiß ich, daß das von dem einzelnen Zionisten jeweils erstrebte Ideal nicht das gleiche ist, aber ich weiß auch, daß wir alle in einem einig sind: Gutes zu schaffen für Zion. So möchte ich denn unsere heutige Versammlung vergleichen mit der Menora des Tempels, drei Lichter aus der Eichtung des Ostens, drei Lichter aus der Eichtung des Westens, alle aber zustrebend dem Lichte, das emporflammt an dem mittleren Schaft. Meine lieben Brüder! Diese Lichter, das seid ihr. Von Ost und von West seid ihr herbeigeströmt, alle euch zuwendend dem Zentrallichte „Zion", das wir aufbauen wollen im Geiste der Thora, im Geiste altjüdischer Tradition. Zion wird wieder verbinden, was die Ungunst der Zeiten gelockert und getrennt, Zion wird uns wieder machen zu einem geeinten und einzigen Volk. Und so wird sich erfüllen der Ausspruch des Talmuds: kol haberachoth wehaneehamoth wehatowoth schehakadosch baruch hu mewi al Jissrael kuilam mizäon. Aller Segen, aller Troist, alles Glück, das Gott bringt über Israel, strömt aus von Zion. Möge die Tagung dieses Kongresses eine gesegnete sein, möge sie ums den verheißenen Trost und das verheißene Glück bringen, wie es der Prophet in der dieswöchigen Haftara verkündet: ki nicham haschem ammo gaal Jeruschaiajim. Trösten wird Gott sedn Volk, erlösen Jerusalem! (Lebhafter Beifall.) 31