Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 651 (sequence 662)
- Language
- German, English, Hebrew
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Motzkin, Barth, Jaffe des jüdischen Volksempfindens war, fühlten wir uns selbst gehoben, fühlten uns in einer anderen Atmosphäre. Gestatten Sie mir, geehrter Kongreß, Ihnen in meinem Namen zu danken dafür, daß Sie oft genug mir willig Folge geleistet haben, wenn vielleicht auch manchmal die Kongreßördnung verletzt wurde, daß Sie empfunden haben, daß wir den Wunsch haben, unsere Sache weiter zu fördern. Und jetzt, wenn Sie hinausziehen in das jüdische, in das zionistische Leben, dann will ich Sie an folgendes erinnern. Fast bei allen Kongressen ist es so gewesen, daß wir in gewissen Augenblicken dachten: Ach Gott, ist das ein schlechter Kongreß, ach Gott, man kann das doch gar nicht überleben, wie kann man noch ein Zionist sein, und noch derartige Dinge. Und wenn man jetzt wieder in das jüdische Leben kommt, dann denkt man: was ist das doch für ein schönes und großes und gewaltiges Instrument, das das Judentum einzigartig geschaffen hat. Dann verblassen all die Einzelheiten, dann verblaßt das Kleinliche und kommt das Große heraus. Und ich bin sicher, je mehr wir uns von der Gegenwart des Erlebnisses entfernen, je geringer die Eindrücke der Einzelheiten sind, desto lebhafter werden Sie sich erinnern des großen Kongresses von Wien. (Langanhaltender, stürmischer Beifall.) Vorsitzender Präsident Sokolow (den Vorsitz übernehmend): Herr Dr. Barth hat das Wort. Kongreßanwalt Dr. A. Barth: Geehrter Kongreß! Ich werde Sie in dieser Stunde nicht lange aufhalten, aber ich möchte von dem traditionellen Vorrecht meiner Fraktion Gebrauch machen, den Dank an das Präsidium in Ihrer aller Namen auszusprechen. Wenn man auf irgendeinem Kongreß hiezu Veranlassung hatte, so war es auf diesem Kongreß. Dieser Kongreß war ein Kongreß, auf dem die Geschäftsordnung wirklich vielfach schwierig war und auf dem es nicht immer leicht war, der divergierenden Meinungsäußerungen, die sich auf beiden Seiten des Hauses, manchmal auch in der Mitte etwas stürmisch äußerten, Herr zu werden. Und wenn das doch gelungen ist, so danken wir das unserem Präsidium und vor allem unserem verehrten, jetzt schon traditionellen Vorsitzenden Motzkin. (Stürmischer Beifall.) Sie haben durch ihren Beifall, der ja nicht mir, sondern dem Präsidium gilt, bewiesen, daß Sie meinen Worten zustimmen. Und ich hoffe, Sie werden mir auch darin zustimmen, wenn ich sage, daß wir, wenn wir jetzt auseinandergehen, hoffen, daß, wenn wir wieder zu einem Kongreß zusammentreten, es wieder unter dem gleichen Präsidium geschehen wird. (Beifall.) Delegierter Leib Jaffe (jüdisch): : Geehrter Kongreß! Zu dieser vorgerückten Zeit, in letzter Stunde will ich Ihnen einen Vorschlag vorbringen: „Der Kongreß prokla- 651