Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 650 (sequence 661)
- Language
- German, English, Hebrew
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17. Sitzung: Schlußreden Schluß unserer Tagung eine Angelegenheit berühren, die uns manchmal zu schaffen gemacht hat. Wir hatten eine außerordentlich große Galerie. Diese Galerie — das ist nicht das richtige Wort: unsere Gäste haben manchmal etwas zu lebhaft an unseren Sitzungen teilgenom^ men. Wir haben uns wiederholt dagegen gewehrt, und es ist vielleicht etwas zu spät, wenn ich sage, wir hätten auch viel schwerere Maßnahmen treffen können. Es gibt zum Beispiel bei uns eine Maßnahme, Räumung der Galerie, von der wir nicht ein einziges Mal Gebrauch gemacht haben, trotzdem wohl manchmal dazu Anlaß gewesen wäre. Wenn das aber der Fall gewesen ist, wenn wir so verfahren sind, dann gestatten Sir mir Ihnen eine Erklärung dafür zu geben. Auf diesem Kongreß haben wir den Zusammenhang zwischen Delegierten und Gästen außerordentlich stark empfunden. (Beifall.) Jedenfalls hat man die Wärme, das Interesse permanent im Kongreß empfunden, und wir haben uns daher auch im Präsidium nicht dagegen gewehrt, wie auch die anderen Mitglieder des Kongresses es nicht getan haben. Ja, wenn wirklich die Galerie so beseelt, so durchdrungen ist von dem, was wir tun, so müssen wir ein Auge, ja manchmal zwei Augen zudrücken. (Heiterkeit, Beifall.) Und noch etwas; noch weiter als die Galerie gingen unsere Ordner. Unsere Ordner waren ausgezeichnete Zionisten. Und wir haben oft beobachten können, wie die Ordner so manchmal hinter dem Rücken Beifall klatschten (Heiterkeit) oder Zwischenrufe machten, die für einen Ordner doch eigentlich nicht zulässig sind. Sie sollten doch eigentlich die Hüter der Ordnung sein und dafür sorgen, daß außer den Delegierten niemand an Beifallskundgebungen teilnimmt. Sie haben es manchmal unerlaubterweise doch getan. Wir haben aber gesehen, wie das aus dem Herzen und aus ihrer ganzen Einstellung kam, und je jünger sie waren, desto weniger haben sie aus ihrer Einstellung ein Hehl gemacht. Wir haben die Zukunft unserer Sache vor Augen gehabt. Und niemand von Ihnen wird leugnen, daß gerade die Jugendlicheren unter den Ordnern uns viel Freude und Vergnügen bereitet haben. (Beifall.) Die kommenden zionistischen Geschlechter, die kommenden zionistischen Arbeiter sehen wir in dieser heranwachsenden Jugend. Und ich glaube, daß man sagen kann, sie haben uns vergessen lassen, daß manchmal nicht alles klappte, wie es sollte. Als Zionist empfand ich das so, und um des Zionismus willen werden wir gar manche Abweichungen von unseren Regeln vergessen, die hier zu Tage getreten sind; um des Zionismus willen wollen wir vergessen, daß manchmal die Ordnung nicht auf der Höhe stand, auf der sie stehen sollte. Die höhere Ordnung war vorhanden. Und es war an manchem Tage schwer genug. Und wenn oft der Saal in wichtigen Momenten, vollgefüllt, all den Reden und all den Kämpfen mit solcher Aufmerksamkeit folgte, dann hatte man das Gefühl: das war sozusagen ein Ausbruch des jüdischen Volksempfindens. Und weil es ein Ausbruch 650