Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 539 (sequence 550)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3476254-3476282--6249-3482395- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Soloweitschik unserem Standpunkt, dem organischen, und dem mechanischen Standpunkt der Majorität. Denn nach unserer Ueberzeugung kann eine Körperschaft, auf die mechanische Weise von Fifty zu Fifty gebildet, nicht bestehen, es ist das ein mechanischer Zusammenschluß von Körperschaften, die zusammen nicht leben können und einander sogar am Sterben hindern werden. Weshalb das alles? Im besten Falle werden Sie mit großen Gefahren unter den größten Schwierigkeiten eine minimale materielle Hilfe schaffen. Das südrussische Projekt wirft schon seine Schatten auf die Bildung der Jewish Agency voraus. Es wurde gesagt, das südrussische Projekt sei vielleicht dem Uganda-Projekt gleichzustellen. Aber ich werde euch sagen, daß wir auf diesen Fall vielleicht den jüdischen Spruch anwenden können, „daß uns Gott noch vor Eintritt der Krankheit das Heilmittel angibt"; vielleicht wird die Aufrollung des südrussischen Projektes Sie eines besseren belehren, und Sie werden vielleicht die Gefahr erkennen, die das zweite Uganda-Projekt, ich meine die Jewish Agency-Angelegenheit, in sich birgt. Brüder, Zionisten, wir stehen heute am Scheidewege. Aber wir sind sicher, daß wir einander begegnen werden. Es war schon ein Kongreß, der sich in einer ähnlichen Situation, wenn auch bei einer anderen Verteilung von Minorität und Majorität, befunden hat. Auch jener Kongreß hat, wie wir, in lebenswichtigen Fragen zu entscheiden gehabt. Aber mit Gottes Hilfe ist nach dem sechsten Kongreß der siebente gekommen. Wir gehen weg, wir werden weiter arbeiten für Palästina und für den Zionismus und wir hoffen und sind überzeugt, daß ihr den heutigen Schritt bereuen und zu uns zurückkehren werdet. Und ihr werdet uns Dank wissen dafür, daß wir, trotzdem wir eine kleine Gruppe waren, bei unserem Standpunkt ausharrten. Wir sind überzeugt, daß der Zusammenbruch kommen muß, weil euch heute ein falscher Optimismus auf Irrwege führt (Beifall). Ihr werdet zu uns zurückkommen und wir werden einander begegnen. Aber damit unser Wiedersehen nicht nur ein freudiges Wiedersehen von Brüdern sein soll, sondern auch ein Anfang eines neuen Systems in unserer Arbeit, will ich jetzt in dieser feierlichen Stunde erklären, daß der Weg, den ihr jetzt einschlagen wollt, der Ausfluß eines gewissen Systems ist und daß der Zusammenbruch, der kommen muß, ein Zusammenbruch eben dieses Systems sein wird. Wenn ihr aber dann wieder zurückkommen werdet, dann werden wir bereitwillig mit euch zusammen an der Erneuerung des Systems der Zionistischen Organisation zusammenarbeiten und mit gemeinsamen Kräften werden wir uns bestreben, den Zionismus auf das einzig richtige Prinzip des organischen Zusammenschlusses des jüdischen Volkes für den Aufbau Palästinas zu basieren. (Lebhafter Beifall. Redner liest seine Resolution hebräisch und deutsch Tor.) 539