Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 518 (sequence 529)
- Language
- German, English, Hebrew
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16. Sitzung: Kulturdebatte Bibel Palästina gegeben, denn außer ihr haben wir keine anderen Dokumente gehabt. Vom englischen Volk haben wir Palästina deshalb bekommen, weil es ein Bibelvolk ist. Und nun wird Bibelkritik betrieben, die doch die Bibel in einem falschen Lichte darstellt, und damit vernichten wir selbst unser wichtigstes Dokument. Herr Professor Weizmann hat auf diesem Kongreß einen der Führer der Opposition, der eine nationale Politik betreibt, der Assimilation geziehen. Es gibt aber auch eine geistige Assmilation. Es gibt viele Dinge, von denen wir annehmen, daß Sie mit unserem nationalen Charakter innig zusammenhängen, bei tieferer Betrachtung zeigt sich aber, daß sie ein Ausfluß der Assimilation sind. Sie sind eine Folge unserer Nachahmungssucht. Haben die Nichtjuden eine Bibelkritik, so wollen auch wir Bibelkritik betreiben. Bei den Nichtjuden erklärt sich aber das Vorhandensein der Bibelkritik aus der Mißgunst, weil sie uns einfach die Bibel nicht gönnen. Wir sehen ja, daß auch nationale Politik unter dem Einflüsse der Assimilation steht; das Lied „Mahjufes" kann man auf verschiedene Art singen. Und wenn man nun „Mahjufes" nach der Melodie der Hatikwah singt, so bleibt es doch „Mahjufes". Und wenn wir fremde Methoden auch in unserem ureigensten Gebiete nachahmen wollen, so ist das Assimilation, auch wenn man sich dabei unserer nationalen, jüdischen Sprache bedient. Wir müssen unserer Unzufriedenheit mit unserem jetzigen System Ausdruck geben. Wir wollen hoffen, daß doch einmal eine Zeit des Verständnisses für den Sinn der Thora kommen wird. Dann soll man nicht eines mit dem andern verwechseln. „Thora" hat eine ganz andere Bedeutung, ist viel mehr als „Religion". Es gibt ein Prinzip bei uns, das ist, die Unbildung nicht zu dulden. Das Judentum hat immer danach gestrebt, ein Volk von Gebildeten und Gelehrten zu sein. Es fehlt uns aber, wie schon Sokolow vorhin erwähnte, an dem Gefühl der Heiligkeit, das man nicht zerstören dürfe. Wenn uns unsere Sprache eine „heilige Sprache" ist, dann werden wir sie natürlich nicht aufgeben; handelt es sich aber nur um die „hebräische Sprache", so kann ja natürlich die Frage aufgeworfen werden, warum hebräisch und nicht jüdisch. Wir halten an Palästina als an unserem Land fest, weil es sich eben um unser heiliges Land handelt, würde es sich aber nur um Palästina als solches handeln, dann könnte man fragen: Was ist denn an Palästina mehr als an allen andern Ländern? Da uns das Volk als heilig gilt, werden wir seiner Sache Opfer bringen, wenn es sich aber nur um Nationalismus handelt, so könnte man sehr gut die Frage aufwerfen, warum national und warum nicht international. Es muß bei uns das Gefühl der Heiligkeit herrschen. Das Problem ist leider das, daß wir jetzt unter uns sehr viele Leute haben, die hebräisch sprechen, aber sehr wenige solcher, die hebräisch denken. Das jüdische Volk ist doch ein „Am Hasefer" (Volk des Buches). Kommen wir aber nach Palästina, so sehen wir 518