Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 519 (sequence 530)
- Language
- German, English, Hebrew
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Amiel, Mossinsohn vor uns nicht ein Am Hasefer, sondern ein Am Haarez. In Palästina müssen wir aber nur ein Am Hasefer haben. Für uns ist es zu wenig, wenn man nur hebräisch spricht, wir wollen, daß man auch hebräisch denkt; dann werden wir wirklich sagen können, daß Palästina ein geistiges Zentrum sein wird, dessen Geist in die ganze Welt hinauswirken kann. (Lebhafter Beifall.) Delegierter Dr. B. Mossinsohn (hebräisch): Sehr geehrter Kongreß! Es tut mir sehr leid, daß gerade jetzt während der Erziehungsdebatte sehr wenige Delegierte im Saale anwesend sind. Das Erziehungsproblem ist meiner Meinung nach in der jetzigen Periode eine der wichtigsten Fragen des Kongresses. Ich will heute nicht über die Bedeutung der hebräischen Sprache, der hebräischen Kultur, wie auch über die Methoden des Bibelunterrichtes sprechen, weil ich diesen Platz dafür nicht für geeignet halte; diese Fragen sollen anderswo erörtert werden. Was wollen wir jetzt für die Erziehungs- und Kulturarbeit im Lande und vielleicht auch in der Diaspora tun? Man hat hier in einem andern Zusammenhange über die jetzige Alijah, über die vierte Alijah gesprochen. Ich bedaure sehr, daß hier nicht auf die Gefahr, die diese Alijah für alle unsere kulturellen Errungenschaften im Lande bedeutet, eingegangen wurde. Wir müssen dieser Gefahr begegnen. Wir haben alle diese Alijah mit Sehnsucht erwartet, und es ist selbstverständlich, daß niemand auch nur daran denkt, sie aufzuhalten, aber unser Bestreben muß es sein, sie aus einer zerstörenden Kraft zu einem unsere Positionen stärkenden Faktor umzuwandeln. Diese Alijah bildet nämlich unbewußt eine Gefahr für die von den Chaluzim geschaffenen kulturellen Positionen im Lande. Die Chaluzim sind besser vorbereitet ins Land gekommen, haben sich zu einer starken Organisation zusammengeschlossen und konnten sich auf diese Weise leichter dem neuen Bedingungen anpassen. Die vierte Alijah ist weniger organisiert, sie setzt sich aus älteren Leuten zusammen, die in einem gewissen Milieu aufgewachsen und verwurzelt sind und die deshalb für die Kulturarbeit, die Verbreitung und Verwurzelung der hebräischen Sprache, weniger oder gar nicht in Betracht kommen. Und da liegt die Gefahr für unsere bisherigen Errungenschaften im Lande. Ich möchte auf eines Ihre Aufmerksamkeit lenken. Unter den neuen Einwanderermassen gibt es eine besondere Gruppe von Leuten, und zwar sind das Jugendliche im Alter zwischen vierzehn und zwanzig Jahren, die der Schule zwar schon entwachsen sind, aber doch noch nicht zu den Erwachsenen gezählt werden können. Diese Generation wird ohne Bildung und Erziehung aufwachsen, wenn wir für sie nicht Schulen und Abendkurse einrichten und sie so in das palästinensische Leben einfügen. Wir haben ihnen nicht nur Bücherweisheit beizubringen, sondern sie für das Leben überhaupt vorzubereiten. Meine Herren, wenn wir nur die hebräische Sprache als die 519