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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1926-01-01 · 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925 · p. Seite 517

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
Date
1926-01-01
Page
Seite 517 (sequence 528)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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Ämiel liehe Erscheinung. Aber damit allein können wir uns nicht begnügen. Unsere hebräische Sprache ist ein Teil des Judentums und nicht umgekehrt. Das Judentum beschränkt sich nicht auf die Sprache. Es freut uns sehr zu hören, daß unsere Jugend in Palästina die alte Sprache unserer Väter spricht, aber das befriedigt und genügt uns nicht, wir wollen, daß sie auch wie die Väter denken. Und das eben ist es, was wir in der Erziehungsarbeit in Palästina vermissen. Es ist eine sehr erfreuliche Erscheinung, wenn die Erziehungsarbeit in Palästina zur Wiederbelebung der Sprache beigetragen hat, aber es ist übersehen worden, daß die Sprache uns immer nur ein Mittel zum Ziel war, ein Mittel zum Verständnis der Thora, und nicht umgekehrt die Thora ein Mittel zur Erlernung der Sprache war. Ziel und Mittel haben ihre Bedeutung geändert. Wir haben hier auch erfahren, daß man in den allgemeinen Schulen in Palästina die Bibel lehrt, aber dem Talmud sehr wenig Aufmerksamkeit schenkt und in ihm nur in einem sehr geringen Maße unterweist. Wir sind aber der Meinung, daß gerade das Studium des Talmuds die Kenntnis der Sprache vervollkommnet. Der alte Cheder hat uns Bialik und Achad Haam gegeben, aber bis jetzt sehen wir noch nicht die Bialiks und die Achad Haams, die uns die neuen Schulen gegeben hätten. Eure Stellung zur Religion ist falsch. Ihr seid der Meinung, der Zionismus müsse in Religionssachen neutral sein; aber ziehen Sie doch in Betracht, daß unsere Religion mit anderen Religionen nicht zu vergleichen ist. Wenn Sie dem Worte „Judentum" das Wort „Religion" gleichsetzen, dann ist der Vergleich falsch. Das Wort „Thora" hat man mit „Lehre" übersetzt, weil man keinen dem Worte genau entsprechenden Begriff hatte. Für „Judentum" hat man „Religion" eingesetzt. Aber letzterer Begriff gibt nicht die richtige Bedeutung des ersteren wieder, da dieser viel umfassender ist. Außer der Religion haben wir auch die Thora. Und ihre Bedeutung ist viel größer als das, was das Wort Religion ausdrückt. Wenn andere Völker ihre Religion ändern, dann ändert sich damit noch nicht der Volkscharakter, wenn wir aber unsere Thora aufgeben sollten, so würde das mit dem Aufgeben unseres Volkscharakters identisch sein. Wenn bei uns Thora und Talmud in Vergessenheit geraten sollten, dann wird das eine Aenderung der Seele, der Physiognomie und der Psychologie des Volkes mit sich bringen, weil diese mit dem Inhalt der Thora und des Talmuds im engsten Zusammenhang stehen. Weiters ist es uns bekannt, daß in den allgemeinen Schulen Bibelkritik betrieben wird. In seiner Eröffnungsrede hat uns Herr Sokolow gesagt, die Bibel sei das einzige Dokument, welches von unserem Rechte auf Palästina spreche. Und nun vernichten wir selbst dieses Dokument. Wir haben seinerzeit von der Kongreßtribüne aus vom gottseligen Wolffsöhn folgenden Ausspruch gehört: „Mit der Bibel haben wir Palästina verlassen und mit der Bibel werden wir dorthin zurückkehren." (Beifall.) Und tatsächlich hat uns die 517

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