Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 515 (sequence 526)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3476254-3476282--6225-3482371- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Bermann dieses Erbe der Assimilation, welches nach Palästina mitgebracht wurde, in Vergessenheit geraten zu lassen. Es stimmt zwar, daß unsere Sozialisten in Palästina sich immer wieder auf die Bibel berufen, und wir hören von ihnen auch immer die teuren und heiligen Namen Jesaias und Jeremias und sie lesen auch Jesaias und Jeremias. Aber warum vergessen sie, daß Jesaias sagt: „Und die Fremdlinge... "? Auch er verlangt ein gewisses Minimum der Frömmigkeit sogar von den Fremdlingen, und wenn man nun von den Fremdlingen, die nach Palästina kommen, ein Minimum verlangt, warum erzieht man nicht die Kinder im Sinne dieser Gebote, deren Erfüllung ein Minimum für Fremdlinge ist, also umso mehr für Juden (Beifall)? Es wird behauptet, daß die Befriedigung religiöser Bedürfnisse nicht unumgänglich notwendig ist, weil es überhaupt keine Religiosität unter den Chaluzim gebe. Diese Meinung ist meiner Ansicht nach falsch. Wer glaubt, daß es auch bei den linksradikalen Kreisen keine Religiosität gibt, ist im Irrtum. Wären die Chaluzim nicht gläubig, woher hätten sie dann den außergewöhnlichen Geist der Aufopferung für den Kampf gegen alle Mächte der Natur, nur um Palästina aufzubauen? Woher die chassidischen Lieder in ihren Lagern und bei ihren Festen? Das haben sie aus den Jesohiwoth und Lehrhäusern mitgebracht. Es gibt also Religiosität, nur ist sie nicht entwickelt und wird aus gewissen Gründen nicht gefördert. In den Schulen sollte man doch Religionsfächer unterrichten, die Bibel im positiven Sinne und nach einer für das kindliche Alter entsprechenden primitiven Methode lehren. Gebet den Schulen des Msrachi, die von einigen Rednern hier gepriesen wurden, die Autonomie, gebet ihnen die Entwicklungsmöglichkeit! Die jetzige Alijah weist in sehr großem Maße religiöse Mittelstandselemente auf, und die Schulen des Misrachi werden immer mehr besucht (Beifall). Meine Herren, ich muß mich jetzt leider kurz fassen, vergessen Sie eines nicht, nämlich daß die Bibel auch einen wichtigen politischen Faktor darstellt. Der Bibel haben wir es zu verdanken, wenn die Völker unsere Rechte anerkannt haben, und die Bibel ist vielleicht unser größtes politisches Machtmittel. Ohne die Bibel gibt es keine jüdische Politik und keine jüdische Renaissance (Beifall). Meine Herren, die Bibel ist unser Kuschan (Kaufvertrag) auf Palästina, sie verbrieft uns unser Recht und mit Hilfe der Bibel wird unsere Erlösung kommen (Lebhafter Beifall). Kongreßsekretär Dr. Löwenstein (kündigt Fraktionssifczimgen an). Vorsitzender Vizepräsident Dr. Klumel: Die nächste Sitzungfindet Samstag abends um 8 Uhr statt. Die Sitzung istgeschlossen. 33* 515