Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 514 (sequence 525)
- Language
- German, English, Hebrew
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15. Sitzung: Kulturdebatte vor allem diesen Arbeitsgebieten widmen, weil hier ihre nationalen Schöpfungen liegen. Die wichtigsten Kulturschöpfungen des jüdischen Volkes sind aber die Bibel und die Religion (Beifall). Wir sprechen von Erez Israel, woher aber kennen wir Erez Israel und wann haben wir das Land zu lieben begonnen, wenn nicht im Cheder, in unserer Kindheit, als wir unseren Ahnen Abraham von Aegypten nach Palästina begleiteten, die Propheten auf den Bergen Judäas, am Gilboa und Israel-Gebirge sahen; all diese Orte haben wir während unseres Unterrichtes im Cheder kennengelernt, und das hat unser Band mit Erez Israel gefestigt, die Bibel war es, die in uns die Liebe zu Erez Israel großgezogen hat. Erez Israel ist uns auch als Zukunftsland teuer, weil es das Land der Religion, der Thora und der Propheten ist (Beifall). Und die hebräische Sprache ist uns teurer als alles in der Welt, weil sie die Sprache der Bibel und derjenigen Religion ist, welche der Anfang und Grundstein aller Kultur und aller Menschheitsentwicklung war. Auch die hebräische Schrift ist uns deswegen teuer, weil sie die Schrift der Thora ist, die wir in unserer Kindheit in den Synagogen und Lehrhäusern sahen; Schrift und Sprache, die uns teuer sind, bringen uns nach Erez Israel. Es ist hier gesagt worden, daß die Schulen der Religion nicht gleichgültig gegenüberstehen. Wie kann man nur, meine Herren, derartiges behaupten? Es ist wahr, die Bibel wird gelehrt, aber ich glaube, daß meine geehrten Freunde, die Lehrer der allgemeinen Schulen, wissen werden, daß man hauptsächlich nicht die Bibel lehrt, sondern Bibelkritik. Die Bibel wird nicht auf Grund der Religion und des Glaubens in einer primitiven, dem Kindesalter angemessenen Weise gelehrt, sondern es wird ^Textkritik und Wortanalyse betrieben. Tatsächlich gibt es in Palästina Leute, die mit der von mir geäußerten Meinung nicht übereinstimmen; das ist ein Galutherbe. Einerseits hat uns die Assimilation einen Typus von Schulen gegeben, die gewissermaßen eine Uebersetzung der Schulen anderer Völker ins Hebräische sind. Aber meine Herren, es ist noch nicht genug, wenn man die Mathematik ins Hebräische übersetzt, denn damit wird die Schule noch nicht zu einer hebräischen Schule. Andererseits gibt es noch einen Einfluß, und zwar den des Sozialismus. Die sozialistischen Parteien in den Ländern der Diaspora haben gegen die Priester und die Oberhäupter der herrschenden Religion, die im Bunde mit dem Zaren und anderen tyrannischen Herrschern standen, kämpfen müssen und nun haben die Sozialisten diesen Kampf nicht vergessen und dem Trägheitsgesetze entsprechend suchen sie auch in Palästina den Kampf gegen die Religion fortzusetzen, obzwar es dort keine Veranlassung dazu gibt, obzwar man dort nicht einmal daran denken kann, daß die Religion in wirtschaftlichen und politischen Fragen herrschend und maßgebend sein könnte. Unser Bestreben muß es sein, dieses Erbe der Galuth, 514