Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 513 (sequence 524)
- Language
- German, English, Hebrew
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Yellin, Bermann in der ganzen Welt neuen Inhalt geben (Stürmischer, anhaltender Beifall). Delegierter Rabbiner Jakob Bermann (hebräisch): Hoher Kongreß! Der Chinuch ist nicht nur eine Frage der Schulen, der Chinuch in Palästina erfüllt auch eine wichtige kolonisatorische Aufgabe. Wenn wir ein großes Budget für die Erziehungsarbeit in Palästina brauchen, so ist der Grund darin zu suchen, daß sich der Jischuw ausdehnt und hunderte von Siedlungspunkten bildet; ein jüdischer Jischuw kann aber nicht ohne ein entsprechendes Schulwerk existieren. Palästina wird nicht aufgebaut werden, wenn unsere Söhne und Töchter keine gediegene Schulung und Erziehung erhalten werden, weil Palästina ein ödes, verwahrlostes Land ist, das nur von wissenschaftlich und technisch gut geschulten Leuten aufgebaut werden kann. Palästina wird nicht jüdisch sein, wenn wir nicht dort die Kulturträger sein werden. Unser Recht auf Palästina beruht auf unserer Kultur. Jeder muß anerkennen, daß die Eingeborenen auf einer niedrigeren Kulturstufe stehen als wir, wir sind es also, die der Wissenschaft im Lande die Wege bahnen. Und nun, was sehen wir? Es wird erklärt und hervorgehoben, daß wir in unseren Schulen jetzt 13.000 Kinder haben. Aber diese Zahl, die man uns heute bei einer 150.000 Seelen betragenden jüdischen Bevölkerung Palästinas angibt, haben wir schon vor vier Jahren, als es nur 80.000 Juden im Lande gab, gehört. Wo sind also die Kinder, wo lernen sie, wo werden sie erzogen? Meine Herren, ich 'glaube, -daß die Erziehungsarbeit im engsten Zusammenhang mit der gesamten zionistischen Arbeit im Lande steht; die Zionistische Organisation soll auf keinen Fall die Leitung des Erziehungswerkes aus ihren Händen geben und das Erziehungswerk gewissermaßen säkularisieren und separate Gesellschaften zu diesem Zwecke gründen. Wenn ich nun mit Begeisterung über die Erziehungsarbeit spreche, so muß ich zu meinem Bedauern erklären, daß das nicht wegen unserer Zufriedenheit mit der Art dieser Arbeit geschieht. Ebenso wie wir ohne Erziehung Palästinas nicht aufbauen können, ebenso können wir es nicht ohne Pflege der Tradition und Religion (Beifall). Die Religion ist unser historisches Recht und unser nationales Gut. Schon seit Jahrtausenden wirkt das jüdische Volk auf dem Gebiete der Religion, nicht nur für seine Volksgenossen, sondern für alle Völker der Welt. Die Bibel des jüdischen Volkes ist in den verschiedenen Variationen bei allen Völkern der Welt eingedrungen. Stellen wir uns nun einmal vor, daß die Griechen und die Römer wieder auferstehen und was sie nun zur Pflege ihres nationalen Geistes tun würden. Sie würden natürlich vor allem diejenigen Kutlurgüter, die sie der ganzen Welt gegeben haben, entwickeln und pflegen. Griechenland also Kunst und Philosophie, Rom Recht und Gesetzgebung. Sie würden sich natürlich 33 513