Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 512 (sequence 523)
- Language
- German, English, Hebrew
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15. Sitzung: Külturdebatte und schlechter Lebensführung sehr viel gelitten haben, und es ist ein Unrecht, wenn man hier gegen diese unter solch schweren Bedingungen arbeitenden Lehrer, die ununterbrochen in ihren Versammlungen und Konferenzen Wege der Ausgestaltung der Erziehungsarbeit suchen, auftritt. Meine Herren, wir haben jetzt eine hebräische Universität in Jerusalem und das haben wir nur den Mittelschulen und den hebräischen Lehrern Palästinas zu verdanken! Aber erst das im ganzen Lande verbreitete Netz der Volksschulen hat den Bestand der Mittelschulen ermöglicht. Und nun, meine Herren, kann ich nicht schließen, ohne zu einer hier aufgestellten Behauptung Stellung zu nehmen. Es wurde hier nämlich gesagt, daß alle allgemeinen Schulen der Religion entfremdet sind und der jüdischen Religion und Tradition mit Haß gegenüberstehen. Meine Herren, es gibt Tausende orthodoxer Eltern, die ihre Kinder in die allgemeine Schule schicken, die können am besten bezeugen, daß diese Behauptung unwahr ist (Zwischenrufe rechts: Nicht richtig!). Herr Kahn, der einer der tüchtigsten Mitarbeiter des Misrachi ist, hat seine Söhne ins allgemeine Lehrerseminar geschickt (Beifall). Meine Herren, unsere amerikanischen Brüder können euch über die Tätigkeit unserer fünfzig jungen Lehrer berichten, die wir nach Amerika sandten und die dort Thora, Judentumswissenschaft und Tradition unter den Juden Amerikas verbreiten (Beifal). Meine Herren, mich werden Sie doch nicht der Antipathie gegenüber dem Misrachi verdächtigen; es ist Ihnen wohl bekannt, daß ich bei der Gründung des Lehrer- und Lehrerinnenseminars des Misrachi mitgearbeitet habe, trotzdem es dem allgemeinen Lehrerseminar Konkurrenz macht. Sie werden wissen, daß ich immer in verschiedenen Versammlungen für die materielle Unterstützung des misrachistischen Lehrerseminars eingetreten bin, weil im Lande ein solches Seminar nötig ist. Aber wenn wir euch verstehen und die Notwendigkeit eurer Schule begreifen können — und man braucht solche Schulen, meine Herren — dann seid doch nicht illoyal uns gegenüber, wenn wir Loyalität bewahren (Beifall). Meine Herren, die allgemeine hebräische Schule hat die hebräische Sprache wieder zur tagtäglichen Umgangssprache gemacht und sie wieder belebt, und erst nachher folgten die Schulen des Misrachi und die Schulen der Arbeiterschaft (Beifall). Wir wollen euer Werk nicht herabsetzen. Wir anerkennen alles Gute und Schöne eurer Schulen, aber werfet auch ihr keinen Stein auf das Schulwerk der anderen (Beifall). Wir sind bereit, für die Notwendigkeit eurer Schulen einzutreten, ihr aber sollt nicht gegen das Schulwerk der andern auftreten (Beifall). Meine Herren, Palästina geht der Renaissance und Wiedergeburt entgegen, es schreitet auf allen Lebensgebieten vorwärts. Palästina hat uns die Agadoth und die Midraschim gegeben und Palästina wird auch allen Teilen unseres Volkes 512